11.05.2017

Spielpädagogin Gabriele Meisner und ihre katholische Jugend

Zum Spielen ist man nie zu alt

Als Spielpädagogin ist Gabriele Meisner weithin bekannt und doziert an verschiedenen Hochschulen. Begonnen hat die Leidenschaft mit einer Förderung in der katholischen Jugend in Berlin.


Gabriele Meisner in ihrem Arbeitszimmer. Foto: Cornelia Klaebe

 

„Ich bin urkatholisch in Berlin.“ Wenn Gabriele Meisner von ihrer Arbeit als Spielpädagogin erzählt, weiß die 60-Jährige immer, wie sie zu diesem Beruf gekommen ist. Das wird besonders deutlich, wenn sie von ihrem neuen Buch „Zum Spielen ist man nie zu alt“ spricht: „Als ‚Produkt‘ katholischer Jugendarbeit liefere ich ein generationsübergreifendes Endprodukt in Sachen Spiel, vorrangig für kirchliche Adressaten.“

„Wir haben unsere eigene Spielkultur entwickelt“
Bis dahin war es aber ein langer Weg, der vor gut 45 Jahren in der Gemeinde St. Ludwig in Berlin-Wilmersdorf begann. „Als ich 14 war, sprach mich der Kaplan an, ob ich nicht eine Kindergruppe machen wollte.“ Davor habe sie zunächst Respekt gehabt, erinnert sich die quirlige Frau. Aber es funktionierte: Fast zehn Jahre lang leitete Gabriele Meisner eine Mädchengruppe und um die 20 Mädchen kamen Woche für Woche zu ihrer „Rasselbande“. Mit der hat sie „einfach gespielt“, denn schließlich war sie damals noch keine pädagogische Fachkraft. Heute ist sie als Dozentin an verschiedenen Hochschulen tätig, auch an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin, und sagt im Rückblick: „Wir haben damals unsere eigene Spielkultur entwickelt. Und wenn uns nichts mehr einfiel, haben wir Völkerball gespielt.“
Natürlich habe sie es leichter gehabt, damals die Kinder zu motivieren: „Es gab ja noch nicht so viele Angebote.“ Eine erste Schulung war für sie und ihre Freundinnen ein Gruppenleiter-Grundkurs im Anselm-von-Havelberg-Haus in Kladow.  Der war wiederum richtungsweisend für das ganze Leben: „Dort sagte man mir, ich sei ein Naturtalent.“ Und so wurde die erst 16-jährige Gabriele Meisner angeworben als ehrenamtliche Referentin beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend, zuständig für die sogenannten „Frohschargruppen“, die in keinem Verband waren. Auf einmal bot sie selbst Gruppenleiterkurse an und moderierte einmal jährlich den überregionalen Frohschartag.

Als Wasserbälle rasend durch die Menge flogen
Dabei habe sie freie Hand gehabt: „Man ließ mich machen. Manchmal habe ich tausend Leute bespaßt.“ Noch größere Gruppen erlebte sie in ihrer späteren Tätigkeit: Auf den Familienwallfahrten der 1990er Jahre machte Gabriele Meisner Animationen für 4000 Personen. So erinnert sie sich noch heute gern, wie ein riesiger aufgepusteter Erdball und viele kleine Erd-Wasserbälle rasend durch die Menge flogen.
Langweilig wird ihr das Thema Spiel nie: „In unserem Kulturkreis ist man viel für sich, anders als im Mittelmeerraum, da ist man mehr in der Gruppe.“ Spielen fördere den Dialog, die Kommunikation, bringe Menschen zusammen. Das könne man zu vielen Gelegenheiten nutzen, beispielsweise mit inhaltlicher Arbeit verbinden und diese damit auflockern. „Es kommt darauf an, die Spiele zum richtigen Zeitpunkt professionell zu präsentieren und zu moderieren“, weiß sie. Das könne auch durchaus generationsübergreifend sein.
Gabriele Meisners prominentester Spielebuchbesitzer ist übrigens der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck. Mit ihm teilt sie die gleiche Basiserfahrung: Auch Gauck kommt, so habe er ihr gesagt, aus der Jugendarbeit und gibt dieser eine besondere Bedeutung für das gesamte Leben.
 
Buchtipp: Gabriele Meisner: Zum Spielen ist man nie zu alt. 100 Geburtstagsspiele für drinnen und draußen; St. Benno Verlag Leipzig 2016, ISBN: 978-3-7462-4613-0; 16,95 Euro.

Von Cornelia Klaebe