22.09.2014

Wurde Jesus auferweckt oder ist er auferstanden?

Manchmal heißt es, Jesus sei von Gott „auferweckt“ worden, so dass er nichts tat. Manchmal liest man, er sei „auferstanden“, also aus eigener Kraft. Was ist richtig? M. G., Hannover

Beides ist richtig: „Gott hat Jesus von den Toten auferweckt“ wie auch „Jesus ist von den Toten auferstanden“. Nur muss man berücksichtigen, dass die Sätze in erster Linie keinen Vorgang beschreiben, sondern einen Glauben bekennen. Und zwar den zentralen Glauben der Christen. Ein Zweites vorweg: „Wer zu wissen meint, was Auferstehung von den Toten ist, kann die biblischen Zeugnisse nur falsch verstehen“ – sagt Benedikt XVI.

Die Bibel verwendet zwei griechische Begriffe, „aníste-mi“ und „egeíro“, mit je vielseitigen Bedeutungen. Damit benennen die Jünger das, was sie kurz nach Jesu Kreuzigung und Begräbnis erleben: Jesus ist nicht tot, er lebt. Das überschreitet alles Bisherige und ist doch ganz real – paradox.

In der ältesten überlieferten Formulierung, die Paulus im ersten Brief an die Korinther zitiert, heißt es: „… dass er auferweckt worden ist am dritten Tag gemäß den Schriften und dass er gezeigt wurde dem Kephas, dann den Zwölf“ (15,4b–5). Im ersten Brief an die Thessalonicher schreibt Paulus beides: „den er (Gott) von den Toten auferweckte, Jesus …“ (1 Thess 1,10) sowie „dass Jesus starb und auferstand“ (1 Thess 4,14).

Die Bibel überliefert nur, dass und wie die Jünger dem lebendigen Jesus, der zuvor definitiv tot war, begegnet sind. Nirgends wird auch nur angedeutet, wie diese Auferweckung oder Auferstehung vor sich ging. Hingegen sind die Jünger sich in einem ganz sicher: Das kann nur Gott. Überhaupt ist es jüdischer Glaube, dass nur Gott von den Toten auferweckt.

Wenn Jesus wirklich tot war, konnte er nicht „aus eigener Kraft“ auferstehen. Vielmehr ähnelt die Formulierung „ist auferstanden“ unserem Sprachgebrauch, wenn wir sagen: Ich bin dann und dann geboren. Genau genommen wurden (!) wir geboren. Später versuchten die Christen, tiefer zu begreifen, wer dieser Jesus ist, der erst tot war und jetzt lebt – auf neue, ganz andere Weise. Er musste der Messias sein, der Christus, Mensch und Gott.

Von Roland Juchem