13.10.2016

Papst hat 6000 Wohnungslose nach Rom eingeladen / Spender werden gesucht

… und erhöht die Niedrigen

Leipzig (mh). Zum Abschluss des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit hat Papst Franziskus 6000 Wohnungslose zu einer Wallfahrt nach Rom eingeladen. Mit dabei ist auch eine Gruppe aus Leipzig. Allerdings suchen die Verantwortlichen dringend nach Spendern, um die Wallfahrt zu finanzieren.

Christoph Köst (links) mit einem Teil der Gruppe aus Leipzig, die Mitte November zur Wallfahrt nach Rom fährt. Foto: Matthias Holluba


Einwenig aufgeregt ist Christiane Thiele schon. „Zwar habe ich bereits einige Begegnungen mit hohen Kirchenvertretern erlebt - gerade jetzt beim Katholikentag“, erzählt die junge Leipzigerin. Aber eine Begegnung mit dem Papst sei doch etwas völlig anderes. Dabei fühlt sich Christiane Thiele - auch wenn sie evangelisch ist - Papst Franziskus besonders nahe. „Er steht auf der Seite von uns kleinen Leuten.“ Mitte November wird sie ihm begegnen, denn sie gehört zu der Gruppe aus der Leipziger Oase, der Ökumenische Kontaktstube für wohnungslose Menschen, die der Einladung des Papstes zu einer Wallfahrt nach Rom folgen wollen.
Aus ganz Europa hat der Papst 6000 Menschen in prekären Lebenssituationen – so die  Bezeichnung für diejenigen, die meist von Wohnungslosigkeit betroffen sind oder waren - zum Ende des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit nach Rom eingeladen. Vom 11. bis 13. November werden sie eine Katechese mit dem Papst erleben und mit ihm einen Gottesdienst feiern. Sie werden die Möglichkeit zu Einkehr und Besinnung haben, zu Begegnung und Gespräch miteinander und natürlich auch zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Ewigen Stadt.
Diese Pilgerfahrt und die Möglichkeit, Papst Franziskus zu treffen, sollte den Menschen, die zum „verletzlichsten Teil der Gesellschaft“ gehören und „die oft als Ausgestoßene behandelt werden“, zeigen, dass ihr Platz „im Herzen der Kirche und im Herzen Gottes ist“, heißt es in der Ankündigung der Wallfahrt. Organisiert wird die Pilgerreise von Fratello, einer Vereinigung, die Veranstaltungen mit und für Menschen am Rande der Gesellschaft organisiert. Neben der Gruppe aus Leipzig werden aus Deutschland unter anderem Pilger aus Hamburg, Hannover, Münster, Limburg und Berlin dabei sein.
Christoph Köst, dem Leiter der Leipziger Oase, ist es wichtig, diese Wallfahrt in den Gemeinden bekannt zu machen. „Es ist zwar schön, dass ein paar obdachlose Menschen nach Rom fahren können“, aber hier passiere etwas Außergewöhnliches, sagt der Katholik: „Der Papst holt, die Menschen, die unfreiwillig am Rand der Gesellschaft leben, in den Mittelpunkt –  so wie es im Magnifikat heißt: ,... und erhöht die Niedrigen‘. In unseren Gemeinden pflegen wir noch viel zu oft den Mittelstand. So aber sind wir keine Hoffnung für die Welt. Jesus ist zu den Menschen am Rande gegangen und der Papst sagt uns mit seiner Einladung: Die Kirche soll in der Welt und in ihrem Herzen einen Platz für die Menschen am Rande haben. Das ist eine unheimliche Aufforderung an uns.“
Neben diesen grundsätzlichen Gedanken beschäftigt Christoph Köst, wie wohl die meisten Verantwortlichen für die Pilgergruppen, eine ganz praktische Frage. Über diese will er  gar nicht so gerne reden angesichts der grundsätzlichen Bedeutung der Einladung des Papstes. Und doch: Die Wallfahrt muss finanziert werden. Rund 600 Euro veranschlagen die Veranstalter als Kosten pro Teilnehmer. Die meisten Einrichtungen sind damit überfordert. Deshalb werden Spender und Paten gesucht. Die Gruppe aus Leipzig wird aus zwölf Teilnehmern bestehen. Dazu kommen drei Mitarbeiter der Oase. Christoph Köst würde sich sehr freuen, wenn sich bei ihm Menschen melden, die die Wallfahrt finanziell unterstützen. „Spenden sind für uns ganz wichtig, aber vergessen wir nicht, worum es eigentlich geht: um den Einsatz für eine Kirche, die Menschen am Rande wertschätzend wahrnimmt und langsam aber sicher für sie einen Platz in ihrer Mitte schafft.“

Hinweis: Wer die Leipziger Oase unterstützen will, kann sich an Christoph Köst (03 41 / 2 68 26 70; christoph.koest@diakonie-leipzig.de) wenden.
Falls Sie eine andere Einrichtung unterstützen möchten, finden Sie alle akkreditierten Vereinigungen im Internet.