24.10.2016

Interview mit Erzbischof Robert Zollitsch

"Wir kommen alle verändert zurück"

Als damaliger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz hat 2013 der Freiburger Alt-Erzbischof Robert Zollitsch (78) das Projekt einer gemeinsamen Pilgerfahrt deutscher evangelischer und katholischer Bischöfe ins Heilige Land auf den Weg gebracht. Im Interview zieht er eine Bilanz der Reise.

Robert Zollitsch (Mitte) feiert mit Kardinal Reinhard Marx (links) und dem 
Bamberger Erzbischof Ludwig Schick (rechts) die Messe in der Jerusalemer 
Grabeskirche. Foto: kna-bild

Herr Erzbischof, wie kam es 2013 zu Ihrer Idee für eine gemeinsamen Pilgerfahrt evangelischer und katholischer Bischöfe?
Ich hatte mir schon lange überlegt, was die Konfessionen in Deutschland näher zusammenführen könnte. Die theologische Diskussion allein sicher nicht. Es brauchte eine gemeinsame Erfahrung - und da schien es mir sehr hilfreich, gemeinsam zu den Wurzeln des Glaubens zu gehen; dorthin, wo Jesus Christus gelebt, wo er sein Evangelium verkündet, seine Wunder gewirkt hat. Das könnte uns auch helfen, ein gemeinsames Christusfest im Jahr des Reformationsgedenkens zu feiern. Zugleich, so dachte ich, könnten wir einander besser verstehen und lernen, wovon der andere lebt, wie er hier an den Stätten Jesu argumentiert, um das Gemeinsame tiefer zu entdecken.

 

Und haben Sie diese Ziele nun tatsächlich hier vor Ort erreicht?
Es war ein großes Geschenk, das ich hier erleben durfte. Wir werden alle etwas anders zurückkommen, als wir weggeflogen sind. Nun wird die große Aufgabe sein, wie wir das zu Hause weitergeben und vermitteln.

 

Wo so viel Licht ist, ist vielleicht auch etwas Schatten. Gab es auch Wermutstropfen während der Reise?
Ja, wenn wir Gottesdienst feierten, haben wir gespürt, dass uns auch noch einiges trennt. Wenn wir die Eucharistie feiern, sind die Evangelischen ausgeschlossen, und wir als Katholiken sind beim evangelischen Abendmahl nicht dabei. Das ist theologisch gar nicht so ganz leicht darzulegen. Da ist im Laufe der Jahrhunderte einiges auseinandergewachsen. Vielleicht haben wir uns das gar nicht mehr genügend gesagt. Dabei ist uns der große Respekt vor dem Abendmahl wirklich gemeinsam. Und das war dann auch schon wieder das Gute: Wir konnten das hier gleich miteinander besprechen.

 

Wird es nun aus Deutschland neue Schritte und Initiativen in Sachen Ökumene oder gar in Richtung auf eine gemeinsame Eucharistie geben?
Wir werden natürlich über mögliche Konsequenzen unserer Erfahrungen hier nachdenken und auch noch einmal gemeinsam schauen, was wir uns gegenseitig in der Geschichte angetan haben - damit die Wunden vernarben können. Welche Schritte wir in Richtung eines gemeinsamen Abendmahls gehen können, ist noch sehr offen. Ich selbst bin da auch sehr zurückhaltend; ich spüre, dass es sowohl von der Art der Feier, vom Gefühl wie von der Theologie her, noch viele Fragen gibt, etwa nach dem Verständnis von Kirche und Amt.

Aber wir haben nun eine bessere Basis als vorher, diese Fragen anzugehen, weil wir uns besser in die Gedankengänge des anderen einfühlen können. Damit können wir das eigene dann so formulieren, dass der andere es besser verstehen kann. Vielleicht ist das ein ähnlicher Ansatz wie damals in der Frage der gemeinsamen Rechtfertigungslehre. Wir haben dort festgestellt, dass auch in den verschiedenen Äußerungen und Formulierungen ein tieferes gemeinsames Anliegen steckt als erwartet. Es ist Gemeinsamkeit da, und in der verschiedenen Sprache können wir auch ein Stück Bereicherung sehen.

 

Alt-Erzbischof Robert Zollitsch
Foto: kna-bild

Sie sind ja in Ihrem Erzbistum Freiburg mit einer besonderen ökumenischen Tradition gesegnet. Hat das auch eine Rolle bei Ihrer Initiative gespielt?
Natürlich. Und es war schön für mich, dass der erste, der die Idee von evangelischer Seite aufgegriffen hat, tatsächlich der frühere Badener Landesbischof Ulrich Fischer war. Er hat ausdrücklich bedauert, dass er nun leider nicht dabei sein konnte.

 

So waren Sie jetzt als Senior dabei. War das nicht auch ein bisschen anstrengend bei dem sehr intensiven Reiseprogramm?
Ja, ich bin tatsächlich der Älteste; und ja, es ist auch auf eine gewisse Sympathie gestoßen, dass ich etwa bei der Wanderung tatsächlich die ganze Strecke mitgegangen bin. Auch das ist ja ein Zeichen von Nähe. Wenn der ganze Tag vom frühen Morgen bis zum späten Abend mit Programm belegt ist, ist das durchaus mit Strapazen verbunden. Aber um der Sache willen habe die gerne auf mich genommen.

kna