12.08.2012

Alle vier Glocken der Kathedrale läuten wieder / Die Aufhängungen wurden rekonstruiert

Wieder mit vollem Geläut

Wegen Rissen in den Aufhängungen der Glocken in der Kathedrale St. Jakobus in Görlitz läutete seit Monaten nur noch eine Glocke. Nach der Reparatur läuten wieder alle.

Generalvikar Zomack und Glocken-Fachmann Gürlach begutachten das Geläut der St. Jakobus-Kathedrale in Görlitz. Foto: Raphael Schmidt

Görlitz. „Ich bin erfreut, wie die Arbeiten abgelaufen sind und mit der Qualität sehr zufrieden“, sagt Generalvikar Hubertus Zomack als er am 30. Juli die rekonstruierte Glockenanlage der Kathedrale St. Jakobus in Görlitz in Augenschein nimmt. Vom Fortgang der Arbeiten hatte er sich seit Dezember vorigen Jahres immer wieder überzeugt.

Es waren „Ermüdungsrisse in den Stahljochen festgestellt worden, woraufhin die Glocken zwei (Sankt Benediktus) und drei (Sankt Maria) stillgelegt werden mussten“, sagt Michael Gürlach. Er ist Glockensachverständiger und Sicherheitsingenieur im Bischöflichen Ordinariat Görlitz. „Seit 1963 sind die Joche im Einsatz und nach einer so langen Zeit sind solche Risse nicht ungewöhnlich“, sagt Gürlach. Wegen technischer Probleme musste auch Glocke vier (Sankt Bonifatius) außer Betrieb genommen werden. Es blieb als letzte Glocke die größte, die Sankt Jakobus Glocke zum Läuten übrig. „Eine Kathedrale, bei der nur noch eine Glocke läutet, das konnte kein Dauerzustand sein“, sagt der Glockensachverständige.

Förderung aus Mitteln der „Altstadtstiftung“ der Stadt Görlitz für den ersten Bauabschnitt halfen, die Glockenanlage zu rekonstruieren. Die Stahljoche wurden durch Eichenholzjoche ersetzt. Neue, historisch geschmiedete Klöppel und Lederaufhängungen wurden hergestellt und eingebaut. Motoren, mechanische Teile, beispielsweise Ketten, mussten ebenso ausgetauscht werden wie die Steuerelektronik.

Mittels einer Fernsteuerung, die von weitem aussieht wie ein Mobiltelefon, können aus dem Altarraum oder der Sakristei die Glocken angesteuert und das Läuten auch wieder beendet werden. Dies passiert während der heiligen Messe zur Wandlung. Diese Zeit kann nicht vorprogrammiert werden, wie beispielsweise die Zeiten des „Angelus“.

Der vorhandene Glockenstuhl  aus Stahl ist über 50 Jahre alt, erfüllt jedoch noch immer seinen Zweck. Von der Planung her ist vorgesehen, den bisherigen Glockenstuhl gegen einen aus Holz zu tauschen. Dieser wird so konzipiert, dass er weitere zwei kleinere Glocken aufnehmen kann. Die baulichen Voraussetzungen dafür sind da. Das haben Schwingungsmessungen ergeben, die im Zusammenhang mit einer Sicherheitsüberprüfung durchgeführt wurden.

Michael Gürlach überprüft den Glockenbestand des Bistums regelmäßig. Jede einzelne Glocke aller Anlagen ist erfasst und wurde „unter technischer, musikalischer und kunsthistorischer Hinsicht überprüft. Außerdem gibt es regelmäßig Kontrollen auf sicherheitstechnische Belange hin“, sagt Gürlach. Er gibt die Empfehlung des Beratungsausschusses deutsches Glockenwesen weiter, wonach Anlagen, die hohen Belastungen ausgesetzt sind, jährlich von einer Fachfirma gewartet werden sollten. Die Fristen sollen „abhängig gewählt werden von bestehender Glockentechnik und der Häufigkeit des Läutens“, sagt Sicherheitsingenieur Gürlach.

Dompropst Zomack, der bei seiner Inspektion der Glockenanlage die Platzverhältnisse für zwei zusätzliche Glocken angesehen hat, fände es gut, wenn die Anlage erweitert werden könnte, „so es in die Disposition des Geläutes passt“. Ideen für Namen dieser Glocken hat er bereits: „Die größere der beiden Glocken könnte Sankt Hedwig heißen, die kleinste Hildegard Burjan“.

Raphael Schmidt