25.08.2013

„Wir haben von den Erfahrungen der Flut von 2002 profitiert“ – Zuversicht bei Grimmas Katholiken

Wieder auf dem Trockenen

Zwölf Wochen ist es her, dass in der Trinitatis-Kirche Grimma vierzig Zentimeter hoch das Muldewasser stand. Dank vieler Helfer und Spender, moderner Technik und einem fluterfahrenen Architekten wird es hier bald schon wieder so aussehen wie vor der Flut. 

Pfarrer Gregor Hansel in der Kirche, die das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken als Beispiel für ihren diesjährigen Hochwasser-Spendenaufruf auswählte. Trotz Maler- und Trocknungsarbeiten haben die Sonntagsgottesdienste hier ohne Unterbrechung stattgefunden. Unklar ist unter anderem noch, was aus der Orgel werden soll. Foto: Dorothee Wanzek

Grimma. Ein leicht muffiger Geruch hängt noch immer über der Grimmaer Innenstadt. Die meisten Menschen leben hier zwölf Wochen nach der zweiten großen Muldeflut in Provisorien. „Wir schaffen es auch diesmal!“, „Alles wird gut!“, ist auf selbstgemalten Plakaten zu lesen, mit denen sie sich für den Wiederaufbau motivieren. Nur wenige Geschäfte und Gastronomiebetriebe sind bereits fertig saniert. Einige bedienen ihre Kunden in Containern, die sie auf den Bürgersteig gestellt haben, andere haben Schilder ins Schaufenster gehängt, die ins Obergeschoss oder in andere Filialen verweisen oder auf denen sie sich auf ungewisse Zukunft von der Kundschaft verabschieden.

„Manche können mit der Sanierung erst beginnen, wenn klar ist, was sie von den Versicherungen oder vom Staat zu erwarten haben“, weiß der katholische Pfarrer Gregor Hansel. In der Trinitiatiskirche ist die Renovierung weit vorangeschritten. Und das nicht nur, weil kirchliche Spendengelder in der Regel schneller fließen als staatliche Hilfen. „Jeder, der zupackt und wieder aufbaut, gibt damit auch ein ermutigendes Signal in die Nachbarschaft“, erklärt der Pfarrer seine Eile. Schon am zweiten Tag der Aufräum-Arbeiten begann er deshalb auch, den größeren Teil der Helfer, die sich der Kirche anboten, zu anderen Flutopfern weiterzuschicken. Gefreut hat er sich auch über die finanzielle Soforthilfe aus dem Bistum, die nicht allein für betroffene Katholiken gedacht war. Einer Reihe von Innenstadt-Bewohnern, die ihre Existenz verloren hatten, konnte er mit einer kleinen Geldsumme und einem persönlichen Gespräch ein Stück weiterhelfen.

Dass ein Großteil der Schäden in der katholischen Kirche und den Gemeinderäumen bereits wieder behoben ist, hängt damit zusammen, dass die Mulde gemächlicher kam und weniger hoch stieg als bei der vorherigen Flut. Eine Reihe von Einrichtungsgegenständen konnten Pfarrer Hansel und seine Mitarbeiter noch in Sicherheit bringen, bevor das Wasser über die Kirchenschwelle schwappte. Nicht zuletzt schreibt der Pfarrer den schnellen Sanierungsfortschritt dem Architekten zu – dem gleichen, der bereits 2002 für die Behebung der Flutschäden verantwortlich war und der nun zum Beispiel genau wusste, welche Materialien sofort entfernt werden mussten und welche noch zu retten waren. Die damals neu angeschafften soliden Kirchenbänke aus Massivholz und andere robuste Bauteile haben die jüngste Flut offensichtlich überstanden. Der Wandputz in der Kirche kann wahrscheinlich dank eines modernen schnellen Heißluft-Trocknungsverfahrens erhalten bleiben. Noch zu erledigen sind jetzt einige Maler- und Fußboden-Verlegearbeiten, die Heizungsreparatur und die Erneuerung einiger Türen. Was aus der Orgel werden soll, der die Trocknungsphase schon beim letzten Hochwasser zugesetzt hatte und die gegenwärtig nur Misstöne von sich gibt, wird die Gemeinde noch entscheiden müssen. Ungeklärt ist bisher auch die Frage, inwieweit die Grimmaer Katholiken in weitere Hochwasserschutzmaßnahmen investieren wollen. 

Für Gregor Hansel steht eines außer Frage: „Wir Katholiken werden an diesem Standort in der Innenstadt bleiben!“ Immerhin steht das Gotteshaus dort schon seit 150 Jahren. Wenn die Kirche hier auszöge, wäre das ein schlechtes Signal, findet der Pfarrer.

Dorothee Wanzek


Hinweis:

Die Caritasverbände im Bistum Dresden-Meißen stehen den Betroffenen des Hochwassers für Begleitung und Hilfen bei der Antragstellung zur Verfügung. Dazu gehören auch die Beratung zu Rechtsansprüchen, Bauberatung und psychosoziale Begleitung.

In Grimma ist das Fluthilfebüro derzeit in der Käthe-Kollwitz-Straße 8a zu erreichen. Telefon/Fax 0 34 37/93 22 19. Ansprechpartner Clemens Bech.

Kontaktdaten von fünf weiteren Fluthilfebüros im Bistum Dresden-Meißen finden Sie auf der Caritas-Homepage www.dicvdresden-meissen.caritas.de