18.08.2014

Wie werden die Kirchenbesucher gezählt?

Gerade erst kamen die neuen Statistiken zu den Gottesdienstbesucherzahlen heraus. Wie kommen diese Zahlen eigentlich zustande? Und sind sie verlässlich? Familie P. aus Görlitz

Gute Frage, ob eine Statistik verlässlich ist. Eine Statistik ist immer eine Entscheidung für ein bestimmtes Verfahren – und gegen ein anderes. Dadurch bleiben Statistiken immer begrenzt aussagefähig. Entscheidend sind oft nicht die absoluten Werte, sondern Veränderungen im Zeitverlauf. So fällt bei der Statistik 2013 auf, dass die Kirchenbesucherzahl im Vorjahresvergleich deutlich gesunken ist.

Die Zahl der Kirchenbesucher wird an zwei sogenannten Zählsonntagen ermittelt. Einmal im Frühjahr und einmal im Herbst wird an einem Sonntag in allen Kirchen in Deutschland die Zahl der Teilnehmer der Sonntagsmessen gezählt. Je nach Ort stehen Helfer an den Eingängen und drücken auf kleine Zähler. An anderen Orten reicht es vielleicht schon, wenn der Küster aus der Sakristei in die Kirche schaut und abzählt. Die Zählsonntage sind ganz normale Sonntage, keine Hochfeste, keine Feiertage, um Verzerrungen auszuschließen. Daher auch an zwei Sonntagen im Jahr. Die so gezählten Besucherzahlen melden die Gemeinden an ihr Bistum, das einmal im Jahr eine Statistikmeldung an die Deutsche Bischofskonferenz schickt.

Sind die Zahlen verlässlich? Noch vor einigen Jahrzehnten gehörte für aktive Katholiken der sonntägliche Kirchgang dazu. Da konnte man ziemlich sicher sein, durch dieses Verfahren eine zuverlässige Aussage über die Kirchenbesucher und mithin die Kirchenbindung zu bekommen. Heute ist das anders: Viele Katholiken, die sich als aktive und zugehörige Kirchenmitglieder verstehen, gehen nicht mehr jeden Sonntag zur Kirche. Vielleicht alle zwei Wochen oder einmal im Monat zur Familienmesse, vielleicht noch seltener und unregelmäßiger. Deswegen meinen manche, dass die Kirchenbesucherzählung besser etwa an vier Sonntagen nacheinander stattfinden müsse, um verlässlichere Daten zu erhalten.

Von Ulrich Waschki