19.01.2015

Wer bestimmt über die Gestalt der Kommunion?

Ich möchte gern die heilige Kommunion in beiderlei Gestalt empfangen, aber der Priester sagt, die Gemeinde und die Gremien wollen dies nicht. Wie ist damit umzugehen? G. P., per E-Mail

Mehr als 1000 Jahre lang wurde die Kommunion als tatsächliches Mahl in Form von Brot und Wein – als Leib und Blut Christi – gereicht. Das entspricht auch dem Mahl, das Jesus gefeiert hat. Ab dem 12./13. Jahrhundert wurde dies immer mehr auf die Hostie allein beschränkt, der „Laienkelch“ von den Konzilien von Konstanz und Trient sogar zeitweise verboten. 

Die Gründe dafür waren die Sorge um Verunehrung der konsekrierten Gaben oder hygienische Gründe und später die Abgrenzung zu anderen Konfessionen. Theologisch wurde darauf hingewiesen, dass selbst im kleinsten Stück der Hostie der eucharistische Christus vollständig gegenwärtig ist, und es kein „mehr an Gnade“ oder Ähnlichem gibt für den, der unter beiden Gestalten kommuniziert.

Erst das Zweite Vatikanische Konzil hat die „Kommunion unter beiden Gestalten“ für besondere Anlässe wieder ermöglicht. Vatikan und Bischofskonferenzen haben in der Grundordnung des Messbuchs verschiedene konkrete Gelegenheiten vorgesehen: etwa bei kleinen Gruppenmessen, für die Brautleute im Traugottesdienst oder für erwachsene Neugetaufte, die direkt danach die Erstkommunion feiern. 

Seit 1971 haben es die deutschen Bischöfe in das Ermessen des zelebrierenden Priesters gestellt, ob die Kommunion unter beiden Gestalten im konkreten Gottesdienst „angemessen“ erscheint. Insofern ist ihr Pfarrer und sind nicht die Gremien verantwortlich, auch wenn die natürlich dazu beraten können.

Die vatikanische Instruktion „Redemptionis Sacramentum“ (2004) nennt eine Reihe pragmatischer Gründe, die gegen die Kommunion unter beiden Gestalten sprechen könnten – z.B. wenn die Menge des Weins bei großen Gottesdienstgemeinden nicht abgeschätzt werden kann. 

So wünschenswert die Kommunion unter beiden Gestalten also sein kann, so zögerlich bleiben die bisherigen Vorschriften. Wichtig ist, dass das eucharistische Mahl sichtbares Zeichen der Einheit ist und nicht zum Streit oder Ärgernis führt – vielleicht ein Argument für Ihren Pfarrer.

Michael Kinnen