21.07.2014

Welches Fest geht vor im liturgischen Kalender?

Mir ist aufgefallen, dass die in dieser Zeitung abgedruckten Lesungstexte nicht immer mit dem Leseplan des Bibelwerks übereinstimmen, weil ein Fest den Jahreskreisrhythmus durchbricht (zum Beispiel „Peter und Paul“). Wer entscheidet über den Vorrang? C. D., Berlin

Ihre Frage berührt eine ziemlich komplexe Materie – und wie vieles in unserer Kirche wird sie (jedenfalls im Prinzip) in Rom geregelt. Grundsätzlich gibt es eine „Rangordnung liturgischer Tage“. Grob gesprochen unterscheidet die Kirche darin „Hochfeste“, „Feste“, „gebotene Gedenktage“ und „nicht gebotene Gedenktage“. Es gilt: Ein höherrangiges Fest verdrängt das niederrangige.

Um es noch etwas komplizierter zu machen, kommt zu den genannten groben Rangstufen noch eine differenzierte „Rangtabelle der liturgischen Tage“, die immer zu Rate gezogen wird, wenn nicht offensichtlich ist, welches Fest ranghöher ist oder wenn zwei ranggleiche Feste nebeneinanderstehen.

Was die Sonntagslesungen betrifft: Die Sonntage der Advents-, Fasten- und Osterzeit stehen im obersten Rang eines Hochfestes, in der Rangtabelle unter „I.2“ geführt und sind dadurch durch nichts zu verdrängen. Sonntage der Weihnachtszeit und die „im Jahreskreis“ gelten dagegen lediglich als „Feste“ (Rang II.6) und werden deshalb durch Hochfeste (wie „Peter und Paul“ in Rang I) verdrängt.

Welches Fest welchen Rang hat, ist „zentral“ geregelt und diese Regeln finden Eingang in den „Generalkalender“ (weltweit), die „Regionalkalender“ (z.B. Deutschland) und die Diözesan- oder Eigenkalender. Faktisch kann es dann sogar zu unterschiedlichen Lesungen kommen, wenn etwa ein Hochfest im Eigenkalender (z.B. Kirchweih oder das Hochfest des Bistumspatrons) den „Sonntag im Jahreskreis“ in einer bestimmten Diözese verdrängt. 

Wohl dem, der in diesen differenzierten Fragen ein aktuelles „Direktorium“ der eigenen Diözese hat. Dort ist mit viel Akribie aufgeschrieben, an welchem Tag welches Fest welchen Rang hat und welche Lesungen gelesen werden.

Von Susanne Haverkamp