03.12.2015

Anstoß 49/2015

Weihnachten: Das Fest eines Heruntergekommenen

In den vergangenen Tagen war ich viel damit beschäftigt, das Haus adventlich zu schmücken. Angefangen vom Adventskranz über das Aufstellen der Räuchermännchen und Schwibbögen bis hin zum Aufhängen des Herrnhuter Sterns.

Ab und an zog der Duft gebackener Weihnachtsplätzchen durch die Räume, kurz: es ist heimelig und gemütlich. Besonders schön ist es, wenn nach Anbruch der Dunkelheit die Kerzen in den Laternen leuchten oder die am Adventskranz – es brennt momentan natürlich erst eine – dem Zimmer einen besonderen Schein verleihen.
Beim Betrachten all dieser, für uns traditionell zum Advent dazugehörenden Dinge, kam mir folgender Gedanke: wenn der Gottessohn bei uns, in unseren Landen und in unserer Zeit geboren worden wäre, hätte er es sicherlich gut gehabt.
Wir hätten dafür gesorgt, dass er ein warmes Bettchen bekommen hätte. So richtig, mit Himmelchen und weicher Decke. Die Erstaustattung wäre weit über eine Windel hinausgegangen. Er hätte nicht nur einfach warme Sachen für ein Neugeborenes gehabt, sondern vermutlich sogar in der für Jungen passenden Farbe. Eine Spieluhr an seinem Bettchen und jede Menge Spielzeug für die kommende Zeit.
Ja, er hätte es ganz sicherlich gut gehabt. Und es hätte ihm an nichts gefehlt. Vorausgesetzt, er wäre in einer Familie geboren worden, die all das bieten kann. Aber vielleicht hätte Gott auch heute, so wie es damals war, den Platz unter den Kleinen, den Randständigen gesucht. Vielleicht wäre er in der Ecke einer Turnhalle geboren worden, inmitten hunderter Flüchtlinge, mit so gut wie nichts an Gepäck. Vielleicht wären seine Eltern mit ihm zur Tafel gegangen, um sich einigermaßen über Wasser zu halten.
So schön das Idylle vermittelnde Drumherum von Advent und Weihnachten ist, so weit entfernt ist es doch von der eigentlichen Botschaft. Zumindest dann, wenn das Drumherum mit Glöckchen, Kerzen und Lebkuchen zur Hauptsache wird.
Advent ist mehr als nur die Vorfreude auf ein Weihnachtsfest. Advent ist auch eine Anfrage an uns selbst. Wie gehen wir damit um, dass Gott zwar nicht ausschließlich, aber doch vorzugsweise bei denen ist, die nicht zur (scheinbaren) Elite oder gutbürgerlichen Mitte gehören?
Gott wurde Mensch, kam vom „Himmel“ auf die Erde nieder. Und zwar in ganz armselige Verhältnisse, in die Welt der Nichtgeachteten. Weihnachten ist sozusagen das Fest eines Heruntergekommenen. Bleibt die Frage, mit welcher Konsequenz sich das in unserem Leben widerspiegelt.

Andrea Wilke, Erfurt