01.08.2012

Anstoss 31/2012

Weihnachten in Brothausen oder Gott kommt nicht nur im Dezember zur Welt

„Frohe Weihnachten, liebe Leserinnen und Leser.“ Nein, keine Angst, ich weiß dass wir mitten im August stecken.

Vor einigen Jahren soll eine Gemeinde in England beschlossen haben, Weihnachten statt im Dezember einfach mal im Sommer zu feiern. Wenn die Geschichte stimmt, stelle ich sie mir gern weiter vor. Bei einem sommerlichen Weihnachten gibt es keinen Stress mit Geschenken, Weihnachtsbaum und Stollenbacken. Die Ohren sind noch nicht mit „Stille Nacht“ und „Ihr Kinderlein kommet“ übersättigt. Also hat diese englische Gemeinde völlig jahreszeituntypisch die Krippe aufgebaut und die biblische Geschichte der Geburt des Christkindes erzählt.
An diesem sommerlichen Weihnachtsfest war dann tatsächlich die Zeit an die Geburt eines kleinen Kindes zu denken: Jesus, von dem ohnehin  keiner genau weiß, wann er Geburtstag hatte. Schließlich ist auch der 25. Dezember ein festgelegter Termin. In der Bibel oder im Standesamt von Bethlehem finden sich über das Datum keine Aufzeichnungen. Mir gefällt dieser Einfall. Da im jahresendstreßgefüllten Dezember wenig Zeit ist, sich wirklich auf das Eigentliche dieses Festes zu besinnen ist durch das freche Terminverschieben die Chance gewonnen, einen ganz neuen Blick auf das Weihnachtsfest zu werfen: Gott kommt in die Welt – weil sie ihm nicht egal ist. Er kommt als kleines Kind, weil er Mensch werden will. Und ein Mensch beginnt nun mal als Baby.
Das kleine Kind wächst und wird  vielen Menschen  Mut machen, ihnen Kraft und Hoffnung geben. Dieses kleine Kind will die Welt verändern und Not lindern. Deshalb kommt es in Bethlehem, was übersetzt so viel wie Brothausen heißt, auf die Welt. Denn es möchte, dass alle satt werden. Und nicht nur das, es ist das Brot des Lebens. In ihm können wir Gott begegnen und, so hoffen wir, zum ewigen Leben gelangen.
Viele Wünsche sind das. Warum also sollten wir bloß am 25. Dezember daran denken?  Und nicht nur zu Weihnachten liegt es mit an uns, dass wir unsere Welt zu diesem Ort machen, wo alle miteinander leben können. Deshalb wünsche ich Ihnen heute einfach mal zwischendurch und mitten im Sommer die Zeit, ihren Blick auch auf die Dinge zu richten, die neben allem Alltagskram wirklich wichtig sind. Und da spielt Gott die Hauptrolle. Jeden Tag aufs Neue.
Guido Erbrich, Roncalli-Haus Magdeburg