12.06.2013

Historische Talstadtkirche in Bernburg ist erheblich von den Folgen der Saaleflut betroffen

Wasser in St. Nikolai

Eine Reihe gefährdeter Kirchen und Einrichtungen katholischer Gemeinden des Bistums entlang der Hochwasserzonen sind von den Fluten verschont geblieben. Betroffen hingegen ist die zur Pfarrei St. Bonifatius in Bernburg gehörende historische St. Nikolai-Kirche der Talstadt.

Sorgenvolles Gesicht bei Uwe Hey von der katholischen Gemeinde in Bernburg. In der St.-Nikolai-Kirche in der Talstadt stand das Grundwasser zeitweise 60 Zentimeter hoch. Foto: Eckhard Pohl

Bernburg. „Soviel Wasser stand seit 40 Jahren nicht mehr in der Nikolaikirche“, sagt Uwe Hey. Der Bernburger engagiert sich seit vielen Jahren für die in ihren Ursprüngen 750 Jahre alte Kirche in der Bernburger Talstadt. Das Gotteshaus, das die Talstadtgemeinde 1965 für 99 Jahre von der evangelischen Kirche pachtete und das heute Filialkirche der in der Bergstadt ansässigen St.-Bonifatius-Gemeinde ist, steht mehrere hundert Meter vom Saaleufer entfernt. Doch immer wenn Hochwasser ist, nutzt der über die Ufer tretende Fluss sein altes Bett wieder, das einst nur wenige Meter hinter der Nikolaikirche verlief. Auch diesmal war das so. Und weil das Wasser recht hoch stieg, wurde die nahe Nikolaikirche umflutet.
Der Zugang zur Kirche ist seit vielen Jahren so angelegt, dass mehrere Stufen hinauf zum Eingang und weitere Stufen in der Kirche dann wieder hinunter in das Kirchenschiff führen. Doch das Grundwasser, das bei Überflutungen massiv ansteigt, sucht sich seine eigenen Wege in das mittelalterliche Gebäude.

60 Zentimeter Grundwasser in der Kirche
„Wir hatten am 6. Juni 60 Zentimeter Wasser in der Kirche stehen“, sagt Pfarrer Thomas Fichtner. Das Wasser stand bis auf die Höhe der Altarinsel, zu der drei hohe Stufen hinaufführen. Rechtzeitig hatte Kirchenvorstands- und Pfarrgemeinderatsmitglied Hey vor Herannahen der Flut die transportablen Gegenstände in den etwas höheren Gemeinderaum, den einstigen hohen Chor der Kirche, geschafft.
Von außen waren vorsorglich überall in den gefährdeten Straßen der Talstadt Sandsäcke vor Kellerfenster und Türen der Gebäude gepackt worden. Auch Ministranten der Bonifatiusgemeinde beteiligten sich am Befüllen und Verteilen von Sandsäcken. „Für die Nikolaikirche bestand die Gefahr, dass das Wasser trotz der Sandsäcke von hinten durch die Sakristeitür eindringt und auch in der Sakristei fest eingebaute Wandschränke unbrauchbar macht. Das ist zum Glück nicht eingetreten“, sagt Pfarrer Fichtner.
Erste Entlastung für die Kirche und die Keller der Häuser in der Talstadt gab es in der Nacht zum 8. Juni durch den sinkenden Saale-pegel und wasserwirtschaftliche Maßnahmen. Zudem saugten vom Land Sachsen-Anhalt herbeigeorderte Bremer Feuerwehrleute mit starken Pumpen viel stehendes Wasser aus der Breiten Straße und umliegenden Straßen ab. Und auch aus der Nikolaikirche wurde das Wasser abgepumpt. Jetzt stehen in dem Gotteshaus zehn bis 15 Zentimeter – das Grundwasser sickert immer wieder nach. „Und einstweilen wird es wohl in der Kirche bleiben“, weiß Uwe Hey aus Erfahrung.

Reparaturen werden viel Geld erfordern
Neben Mauerwerk und steinernem Fußboden sind vor allem die elektrischen Bankheizungen, die Elektrik und die Bänke besonders betroffen. „Wir wissen nicht, womit wir Reparaturen bezahlen sollen“, sagt Hey, der auch im eigenen Haus erheblich von der Flut betroffen ist. Auch der Einsatz von Trocknern für das Mauerwerk der Kirche sei angesichts der damit verbundenen enormen Stromkosten eine Frage des Geldes. An Gottesdienste sei jedenfalls fürs erste in St. Nikolai nicht zu denken, sorgt sich der engagierte Christ. Eckhard Pohl