18.03.2014

Was sagt die katholische Kirche zur Todesstrafe?

Wenn irgendwo die Todesstrafe vollzogen wird,  hört man oft, dass der Papst protestiert. Wie aber steht die katholische Kirche selbst zur Todesstrafe? Gibt es Taten, bei denen sie aus Kirchensicht gerechtfertigt wäre? M.G., Sibbesse

Die Haltung der christlichen Kirchen zur Todesstrafe war jahrhundertelang klar: Gestützt auf biblisch-antike Traditionen galt der Tod als legitime Strafe, auch wenn es immer wieder Einzelne gab, die sie ablehnten.


Erst nach 1945 wird die Todesstrafe grundsätzlich infrage gestellt – sowohl politisch wie kirchlich. Dennoch ist lehramtlich keine Verurteilung der Todesstrafe zu finden. So schreibt der Katechismus der katholischen Kirche: „Der Schutz des Gemeinwohls der Gesellschaft erfordert, dass der Angreifer außerstande gesetzt wird zu schaden. Aus diesem Grund hat die überlieferte Lehre der Kirche die Rechtmäßigkeit ... der gesetzmäßigen öffentlichen Gewalt anerkannt, der Schwere des Verbrechens angemessene Strafen zu verhängen, ohne in schwerwiegendsten Fällen die Todesstrafe auszuschließen“ (Nr. 2266). Einschränkend heißt es wenig später: „Soweit unblutige Mittel hinreichen ... hat sich die Autorität an diese Mittel zu halten, denn ... sie sind der Menschenwürde angemessener.“ Und in Nr. 2298 wird ausgeführt: „In neuerer Zeit setzte sich die Einsicht durch, dass solche grausame Handlungen weder für die öffentliche Ordnung notwendig sind noch den legitimen Menschenrechten entsprechen ... Man muss sich für ihre Abschaffung einsetzen.“


Der deutsche Erwachsenenkatechismus ist noch deutlicher: „Vom Glauben her werden Christen ... daran erinnert, dass auch der schlimms-te Verbrecher sich mit Gott versöhnen lassen kann ... Vor diesem Hintergrund hat sich die Überzeugung verstärkt, dass Christen – besonders in unseren Verhältnissen – keine Verfechter der Todesstrafe sein sollten.“


In der heutigen theologischen Ethik ist man sich weitgehend einig in der Ablehnung der Todesstrafe. Eine amtlichkirchliche Verurteilung gibt es aber nicht. Und auch keine Erläuterungen dazu, welche „schwerwiegendsten Fälle“ gemeint sein könnten und ob etwa eine „öffentliche Gewalt“ demokratisch sein muss, um die Todesstrafe legitim zu vollziehen.

Von Susanne Haverkamp