21.11.2014

Anstoß 47/2014

Was Gott tut, das ist wohlgetan

„Was Gott tut, das ist wohlgetan.“ Ich kenne viele, die dieses Gottesloblied gern singen. Andere mögen es nicht: „… es bleibt gerecht Gottes Wille... ich will halten stille.“

Da schwingt doch zwischen den Zeilen mit, dass man Gott nicht so recht über den Weg traut, dass die durch Gott zugemuteten Wege eher mühsam und schwer sind und dass man sein Schicksal nicht ändern kann und deswegen halt hinnimmt.
Auch bei der Vaterunser-Bitte „dein Wille geschehe“ halten manche Menschen die Luft an. Sie fürchten sich, diese Bitte auszusprechen, weil sie Gott nichts Schönes und Leichtes zutrauen. Statt dessen meinen sie, Gott habe sich gerade für sie etwas besonders Schweres und Belastendes ausgedacht.
Am Schlimmsten in dieser Richtung sind aber manche Todesanzeigen: „Es war Gottes unerforschlicher Wille ...“ Zunächst denkt man bei solchen Dingen an tragische Unfälle und unerbittliche Schicksalsschläge. Und Gott will das?
Solche Formulierungen sind inzwischen seltener geworden. Dennoch haben manche Menschen, auch viele Christen, den Eindruck, der Wille Gottes stehe dem eigenen Willen entgegen. Sie meinen, das was Gott will, würde sie einengen und beschränken.
Dabei will Gott unser Glück und unser Wohlergehen und unsere Freude und unsere Entfaltung. Wenn also Glücksgefühle aufsteigen, die Lebensfreude explodiert oder wenn stille Zufriedenheit eintritt und sich ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit einstellt – dann ist Gott nahe.
Sogar noch mehr: Der Wille Gottes setzt unserem natürlichen Wollen, Streben und Wünschen keine Grenze, sondern ermutigt sogar zu den kühnsten Hoffnungen. Das, was Gott uns wünscht und was verheißen ist, ist ein „Leben in Fülle“ (Joh 10,10).   Der jetzige Papst drückt den Willen Gottes in bewegenden Bildern aus: allein der Titel des Schreibens „Evangelii gaudium“ sagt schon alles: Es geht um die Freude, die das Evanglium uns schenkt und die wir mit anderen Menschen teilen dürfen.
Das heißt nun nicht, dass Gott der automatische Erfüllungsgehilfe unserer Wünsche wäre. Sicherlich kennt jeder von uns die Erfahrung, dass man sich etwas wünscht und dass dieser Wunsch  nicht in Erfüllung geht. Und das Christentum hat mit dem Blick auf das Kreuz eine sensible und wache Aufmerksamkeit auf Leid, Schuld, Schmerz und Tod. Das zeigt sich besonders im Symbol des Christentums – dem Kreuz.
Doch das Wahrnehmen des Schmerzlichen darf den Blick auf den auferstandenen Christus nicht verdrängen. So dürfen wir Christen Gott vertrauen, weil wir davon ausgehen, dass er es gut mit uns meint und wir bei ihm geborgen sind.

Von Sr.  Susanne Schneider, Missionarinnen Christi, Kontaktstelle Orientierung Leipzig