04.12.2012

Was genau ist gemeint mit „unbefleckter Empfängnis“?

Was genau ist mit der Formulierung von der „unbefleckten Empfängnis“ gemeint? In Gesprächen mit Bekannten stoße ich da immer wieder auf Fragen und Ratlosigkeit.
B. B., Spelle

Kaum ein theologischer Begriff stößt auf so viel Unverständnis wie „die unbefleckte Empfängnis“. Der vollständige Titel des Festes, das die katholische Kirche am 8. Dezember feiert, lautet: „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“. Das verrät schon einen Teil der Antwort. Es geht nicht – wie viele meinen – um die Zeugung und Jungfrauengeburt von Jesus. Es geht um Maria, die gezeugt und geboren wurde wie alle Menschen: von ihren Eltern.

Nachdem aber die Kirche im 5. Jahrhundert auf dem Konzil von Chalkedon entschieden hatte, dass Maria „Gottesgebärerin“ genannt werden darf, fragten Theologen: Wie kann ein normaler Mensch würdig sein, den Sohn Gottes auszutragen und zu gebären? Ihre Antwort: Sie muss selbst, bevor sie gezeugt oder empfangen wurde, von Gott besonders auserwählt worden sein. So wie andere Menschen in der Bibel von Gott vor ihrer Geburt auserwählt wurden: etwa Jeremia (Jeremia 1,5) oder Johannes der Täufer (Lukas 1,15).

Besonders problematisiert haben das Thema Theologen in der Westkirche, die sich eingehender mit der Erbsünde befassten. Andere Sprachen nennen die grundsätzliche Schuldverstrickung des Menschen treffender „Ursünde“. So entstand die Vorstellung: Damit Gott selbst in Maria Mensch werden konnte, muss sie unbelastet – oder altertümlich: unbefleckt – von der Ursünde auf die Welt gekommen sein.

Da diese Ursünde nach damaliger Vorstellung mit der Zeugung weitergegeben wurde – wobei das mit Genetik nichts zu tun hat –, verband man das Geschehen mit der Empfängnis. So entstand die Kurzformel von der „unbefleckten Empfängnis (Marias)“. Besser wäre es, von „Marias ursprünglicher Heiligung“ zu sprechen. Am 8. Dezember 1854 hat Papst Pius IX. diesen Glauben zum Dogma erklärt.

Roland Juchem