16.03.2015

Warum und ab wann werden Kreuze verhüllt?

Warum werden in der Fastenzeit Kreuze verhängt? Wann ist die vorgeschriebene Zeit dafür und warum ist das verhüllende Tuch lila? G. L., Heide 

Die Tradition der Kreuzverhüllung ist eigentlich unlogisch. Denn warum soll es in einer Zeit, in der das Kreuz Jesu im Mittelpunkt steht, verhüllt werden? Zu erklären ist das aus einer Zeit heraus, in der Kreuze, die den leidenden und geschundenen Jesus zeigen, selten waren. „Triumphkreuze“ waren modern, geschmückt mit Gold und Edelsteinen, manchmal ganz ohne Körper, manchmal mit dem „erhöhten Christus“ mit Gloriole oder Königskrone. Diese Kreuze wurden aus gutem Grund verhängt, und auch heute kann es hilfreich sein, um an das Leid und nicht sofort an den Sieg zu denken.

Anders bei Gemeinden, deren Kreuze den leidenden Jesus zeigen. Dort müsste man zumindest deutlich machen, welchen Sinn die Verhüllung haben kann. Etwa den, das gewohnte Kreuz eine Zeitlang den Blicken zu entziehen, um es am Karfreitag „mit neuen Augen“ zu sehen. „Verhüllungskünstler“ wie der bekannte „Christo“ arbeiten mit diesem Mittel.

Als Zeitpunkt der Verhüllung kristallisierte sich spätestens ab dem Trienter Konzil der damals sogenannte „Passionssonntag“ heraus, der Sonntag vor Palmsonntag. Ab hier sprechen auch die liturgischen Texte deutlicher vom Leiden und Sterben Jesu. Das Messbuch empfiehlt diesen Termin („Kann-Regel“). Endpunkt ist die Kreuzverehrung am Karfreitag.

Schließlich das „lilafarbene“ Tuch. Violett ist seit alters her die Farbe der Fastenzeit, etwa auch bei Messgewänder. Allerdings gilt das für die Kreuzverhängung nur teilweise. Denn als zweiten Strang gibt es eine Tradition, nach der das „Triumphkreuz“ mit Tüchern verhängt wurde, auf denen Szenen des Leidens Jesu gemalt waren; gerade in Zeiten, als kaum jemand lesen konnte, eine „Bibel für das Volk“. Seit den 1970er Jahren wurde dies wiederentdeckt in den „Misereor-Hungertüchern“, in denen das Leiden der Welt vorgestellt wird und die mancherorts vor dem Kreuz hängen.

Von Susanne Haverkamp