14.05.2014

Anstoß 20/2014

Von der Antrengung, sich zu ändern

Kürzlich erzählte mir eine Frau, dass sie von ihrer Mutter und ihren Freundinnen dauernd mit guten Ratschlägen gefüttert werde.

Diese selbsternannten Therapeutinnen seien wirklich gut und träfen den Nagel auf den Kopf. Und sie selbst sehe es eigentlich ein, was zu tun sei, aber irgendwo sei der Wurm drin: Obwohl sie genau wisse, was sie theoretisch machen müsse beziehungsweise lassen müsse, klappe es nicht und sie sei unglücklicher als je zuvor.
Dieses Gespräch erinnerte mich an eine Erzählung von Anthony de Mello mit dem Titel „Ändere dich nicht“: „Jahrelang war ich neurotisch. Ich war ängstlich und depressiv und selbstsüchtig. Und jeder sagte mir immer wieder, ich sollte mich ändern. Und jeder sagte mir immer wieder, wie neurotisch ich sei.
Und ich war mir zuwider, und ich pflichtete ihnen doch bei, und ich wollte mich ändern, aber ich brachte es nicht fertig, sosehr ich mich auch bemühte.
Was mich am meisten schmerzte, war, dass mein bester Freund mir auch immer wieder sagte, wie neurotisch ich sei. Auch er wiederholte immer wieder, ich sollte mich ändern.
Und auch ihm pflichtete ich bei, aber zuwider wurde er mir nicht, das brachte ich nicht fertig. Ich fühlte mich so machtlos und gefangen.
Dann sagte er mir einer Tages: ,Ändere dich nicht. Bleib, wie du bist. Es ist wirklich nicht wichtig, ob du dich änderst oder nicht. Ich liebe dich so, wie du bist. So ist es nun einmal.‘
Diese Worte klangen wie Musik in meinen Ohren: ,Ändere dich nicht, ändere dich nicht ... ich liebe dich.‘
Und ich entspannte mich, und ich wurde lebendig, und Wunder über Wunder, ich änderte mich!“
Ich denke, dass es generell sinnvoll ist, an sich zu arbeiten. Wir sind Menschen auf dem Weg und müssen jeden Tag neu dazulernen. Doch gibt es für dieses Arbeiten an sich und seiner Persönlichkeit eine Grenze: Wenn ich überfordert bin oder mich überfordert fühle, werde ich bei aller Anstrengung keine Fortschritte machen, sondern eher alles verschlimmern.
Gerade bei Menschen, die sich sehr bewusst um ein christliches Leben bemühen, hat man manchmal den Eindruck, sie seien so in Anspannung und Anstrengung, dass ihnen das jede Freude am Leben nimmt. Sie sind nicht in der Lage, Gelassenheit und Vertrauen auszustrahlen. Stattdessen betrachten sie die Herausforderungen des Lebens humorlos und verbissen.
In einer solchen Situation kann es helfen, sich an die Grunderfahrung von uns Christen zu erinnern: Gott nimmt mich an, so wie ich bin. Wenn ich dies glauben kann, stellt sich von ganz allein – ohne Anstrengung – eine Änderung meines Verhaltens ein.
Von Sr. Susanne Schneider, Missionarinnen Christi, Kontaktstelle Orientierung in Leipzig