01.12.2016

Verband katholischer Gehörloser Deutschlands dankte seinen Mitgliedern

Kein Rückzug in die Nische

Erfurt. Weihbischof Reinhard Hauke kann gut hören und ist doch seit 25 Jahren Mitglied im Verband Katholischer Gehörloser. Lange Jahre hat er die Erfurter Gehörlosengemeinde St. Elisabeth als Seelsorger begleitet. Am ersten Advent wurden Hauke und 16 weiter Frauen und Männer für ihre Verbandstreue geehrt.

25 Jahre Mitgliedschaft im Verband katholischer Gehörloser. Das Ereignis wurde mit einer Ehrennadel und einer Urkunde gewürdigt. Fotos: Holger Jakobi

 
„Sie haben sich versammelt, um in familiären Gemeinschaft den Anfang des Adventes zu feiern. Heute ist auch ein Tag zum Danken für die vergangenen Jahre. Danke allen, die mithelfen, das Verbandsleben vor Ort am Laufen zu halten und Danke für ihre Treue als Mitglieder in unserem Verband.“ So Heinrich Kurzendörfer, der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes Katholischer Gehörloser Deutschlands (VKGD). Kurzendörfer war von Bayern nach Erfurt gekommen, um 17 VKGD-Mitglieder, die seit 25 Jahren im Verband sind, mit einer Ehrennadel und einer Urkunde auszuzeichnen. Darunter auch Erfurts Weihbischof Reinhard Hauke, der die Gehörlosengemeinde lange Zeit begleitete. Heute hat Pfarrer Gert Schellhorn aus Erfurt-Hochheim diese Aufgabe übernommen. Zusammen mit der Gemeinde feierten beide im Marienstift die heilige Messe.

Christen können Licht für Mitmenschen sein
Heinrich Kurzendörfer sagte mit Blick auf das beginnende Kirchenjahr weiter. „Wir sollen uns in der Adventszeit bewusst werden, dass letztlich nicht die Kerzen entscheidend sind, die wir am Adventskranz entzünden. Es kommt vielmehr auf die Lichter an, die wir für die Menschen um uns herum, in der Familie und im Beruf zum Leuchten bringen. In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gnadenreiche Adventszeit.“
Weihbischof Reinhard Hauke erinnerte in seiner Predigt unter anderem an die Taufe. „Wir haben göttliches Leben bekommen. Wir wünschen uns, das göttliche Leben soll in uns bleiben. Gott schenkt uns viel Segen. Wir sollten mit dem Segen Gottes zu den Menschen gehen. Dann spüren die Menschen durch uns: Gott ist da.“ Hauke wies weiter auf das weiße Kleid hin, das Neugetaufte erhalten. „Wir haben ein neues Leben angezogen. Wir haben Christus angezogen.“
Geleitet wird die Erfurter Gehörlosengemeinde St. Elisabeth von Erhard Müller. Er verweist darauf, wie wichtig diese Gemeinde für ihre Mitglieder geworden ist. Einmal im Jahr gibt es einen Gottesdienst der vom Gebärdenchor begleitet wird. Im Anschluss ist Zeit zu lockerer Begegnung und zur Information über politische und soziale Themen.

Ein Gebärdenchor bringt mit Zeichen und Gesten das Lob Gottes, Gebet und Dank zum Ausdruck.

Gehörlose wollen Liturgie mit gestalten
Wichtig ist den gehörlosen Frauen und Männern, nicht irgendwo ein Nischendasein zu führen. So gibt es viermal im Jahr gemeinsame Gottesdienste mit den Hörenden der Gemeinde St. Bonifatius in Erfurt-Hochheim. Wichtig ist weiter die Bildung. So geht es einmal im Jahr für drei Tage ins Marcel-Callo-Haus Heiligenstadt. Pfarrer Gert Schellhorn betont, dass es wichtig ist, wenn die Gehörlosen über die Gebärden miteinander in Kontakt kommen, sich austauschen. Gebärden helfen zudem dabei, dass die Gehörlosen im Gottesdienst aktiv werden können. „Gehörlose sollen nicht wie früher nur nach vorne wie auf eine Bühne schauen. Sie wollen in die Liturgie einbezogen werden. Mit dem Vaterunser in Gebärden haben wir begonnen.“

Von Holger Jakobi