23.02.2018

Umweltsiegel „Grüner Hahn“ für die Huysburg

Grüne Botschaft für alle Gäste

Benediktinerkloster, Ekkehard-Haus und Pfarrei auf der Huysburg haben das Umweltsiegel „Grüner Hahn“ verliehen bekommen. Die Verantwortlichen verstehen die Zertifizierung als Ansporn, noch umweltbewusster zu arbeiten.


Die Huysburg darf das Umwelt-siegel „Grüner Hahn“ führen: Küchen-Chefin Karola Klinkmann, Prüfer Bernd Brinkmann, Umweltbeauftragter Wendelin Bücking, Prokurist Michael Kirnich, Prior Antonius Pfeil, Geistlicher Leiter des Ekkehard-Hauses, Bruder Jakobus Wilhelm. | Foto: Uwe Kraus


Im Süden heißt er „Grüner Gockel“, hierzulande „Grüner Hahn“. Der kräht nun auch auf der Huysburg. Er steht für ein erfolgreiches kirchliches Umweltmanagementsystem, mit dem sich die Umweltauswirkungen des eigenen Handelns kontinuierlich verbessern lassen. Bereits 1000 kirchliche Einrichtungen konnten sich die Plakette an ihre Außenwand heften, ökumenisch, wie der externe Prüfer Bernd Brinkmann von der evangelischen Landeskirche in Bayern betont. Er hat sich ein umfassendes Bild der Einrichtungen auf dem Kamm des Huys und deren Umweltengagements gemacht.

Prozess hat viel bei den Mitarbeitern angestoßen
„Die komplette Huysburg vom Kloster über das Tagungshaus bis zur Pfarrei wurde zertifiziert. Das gehört ja alles zusammen“, erläutert Benediktiner-Bruder Jakobus Wilhelm, Geistlicher Leiter des Gästehauses auf der Huysburg. Mit der Verleihung des kirchlichen Umweltsiegels endete ein zweijähriger Zertifizierungsprozess. Der hat viel in der Huysburg angestoßen. „Das ist hier ja kein Industriebetrieb, wir mussten alles an die kirchlichen Gegebenheiten anpassen“, erläutert Prüfer Brinkmann. Dazu sei vor Ort ein Umweltteam gebildet worden. „Da war ein ziemlicher Papierkrieg zu führen“, erinnert sich dessen Mitglied Daniela Nagel. „Wir haben fünf Jahre rückwirkend die relevanten Daten unter die Lupe genommen. Alles kam auf den Prüfstand: Verbrauch von Energie, Druckerpapier und Wasser, das Verkehrsaufkommen, die Müllmengen und nicht zuletzt der Einkauf von Lebens- bis Putzmitteln.“
Schließlich kochte das Team um Karola Klinkmann 2017 allein über 30 000 Mahlzeiten. 9341 Übernachtungen zählte das Gäs-tehaus im Vorjahr. Für Prior Bruder Antonius Pfeil, Geschäftsführer der Klosterverwaltung Huysburg, ist es darum wichtig, dass nicht nur die 32 Mitarbeiter, sondern jeder dieser Gäste und auch die 40 000 Tagesbesucher die grüne Botschaft mit nach Hause und in ihre Pfarrgemeinden nehmen. Jakobus Wilhelm ergänzt, dass schon über Jahre viel getan wird, um energieeffizient zu arbeiten. Das reiche vom Blockheizkraftwerk über Sparduschköpfe bis hin zum schrittweisen Einbau von LED-Leuchten. „Nur wir tragen das noch zu wenig nach außen.“

Umweltmanagement bleibt stetige Aufgabe
Die Bestandsaufnahme und die Bewertung der Daten gipfelte im Januar in eine Klausurtagung, bei der überlegt wurde, was an welcher Stelle geändert werden kann. „Wir stecken mitten in diesem Prozess“, sagt Prokurist Michael Kirnich. Nach der Verleihung der Plakette mit dem „Grünen Hahn“ will man den nächsten Schritt gehen. Nicht nur, weil das Siegel auf vier Jahre befristet ist und dann wieder eine Kontrolle angesagt ist. „Das Wort höre ich nicht gern. Ich bin kein Kontrolleur, sondern ein Ermutiger“, korrigiert der Bayer Brinkmann. Ihn freut, dass das kirchliche Umweltmanagement nicht an Bistumsgrenzen oder der deutschen Grenze endet. „Das verbreitet sich ökumenisch, nicht nur in der Schweiz oder in Brasilien, sondern auch in Weißrussland und Rumänien.“ Auch Papst Franziskus fordere in seiner Enzyklika „Laudato si“ konkretes Handeln vor Ort.
Die Auseinandersetzung mit dem „Grünen Hahn“ helfe Einrichtungen und Pfarreien, ihre Umwelteinflüsse auf den Prüfstand zu stellen und Verbesserungsvorschläge für den eigenen Umgang mit Umweltfragen zu erarbeiten. Wendelin Bücking, der Umweltbeauftragte des Bistums Magdeburg, hofft nun, dass weitere Einrichtungen in der Diözese sich von den guten Beispielen anregen lassen und sich auf den Weg mit dem „Grünen Hahn“ machen. Die Huysburg sei erst die vierte derartige Einrichtung im Bistum Magdeburg. Als erste hat die Familienferienstätte St. Ursula in Kirchmöser das Zertifikat Grüner Hahn erhalten, es folgten das Magdeburger Roncalli-Haus und die Jugendbildungsstätte St. Michaels-Haus Roßbach. Im Harz trägt den „Grünen Hahn“ nur noch das Kloster Drübeck. Das  Bistum führt den Zertifizierungsprozess gemeinsam mit der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands durch. Die Einführung wurde vom Bonifatiuswerk, der Katholischen Erwachsenenbildung und dem Fachbereich Pastoral des Bistums gefördert.
Umweltbeauftrager Bücking hält es „für wichtig, aber auch außergewöhnlich schwer, Pfarrgemeinden für den Zertifizierungsprozess zu motivieren“. Er sieht – wie die Menschen vor Ort – einen zu hohen bürokratischen Aufwand, um ökologische Ziele verwirklichen zu können. „Da gibt es noch viel zu tun.“

Von Uwe Kraus