22.12.2011

Zwochau: Frühere Gemeindekirche nun Gotteshaus des Fokolare-Begegnungszentrums

Um Christus versammelt

Die Fokolarbewegung hat die neben ihrem Begegnungszentrum in Zwochau gelegene Kirche ihrer Spiritualität entsprechend umgestaltet. Zur Segnung des Gotteshauses war der Magdeburger Bischof Gerhard Feige gekommen.

                              Bischof Gerhard Feige segnet den in seiner Form verkleinerten und im Kirchenschiff des Zwochauer katholischen Gotteshauses aufgestellten Altar. Rechts hinten ist die Wand zu sehen, die den Chorraum mit dem Tabernakel vom Kirchenschiff abtrennt.

Von Eckhard Pohl

Zwochau. „An der Innengestaltung unserer Kirche soll unsere Spiritualität deutlich werden“, sagt Ludwig Krempl. „Für uns Fokolare sind nicht die Steine des Kirchenbaus entscheidend. Die Menschen als die lebendigen Steine machen die Kirche aus. Deshalb ist unser umgestaltetes Gotteshaus bewusst schlicht gehalten", betont Kreml. „Die Bänke sind um den Altar gruppiert. Auch der große Ringleuchter darüber soll die Gemeinschaft untereinander und zu Gott deutlich werden lassen.“

Ludwig Krempl ist gemeinsam mit Helga Rademacher verantwortlich für die Fokolarbewegung in den neuen Bundesländern. So begrüßte er am Vierten Advent beim Festgottesdienst den Magdeburger Bischof Gerhard Feige, der gekommen war, um mit der Fokolargemeinde die umgestaltete katholische Kirche von Zwochau wieder in Benutzung zu nehmen.

Um die Kontinuität mit der früheren Gemeindekirche zu verdeutlichen, weihte Bischof Feige die Kirche nicht neu, sondern segnete in besonderer Weise Altar, Ambo und Tabernakel. Zugleich kam er dem Wunsch der Fokolarbewegung nach, das Gotteshaus, das bisher Papst Pius X. geweiht war, nun dem Patrozinium der Heiligen Dreifaltigkeit zu unterstellen. Damit soll deutlich werden: So wie die drei göttlichen Personen im unaufhörlichen Dialog miteinander stehen, soll auch ein beständiges, liebendes Miteinander zwischen dem Menschen und Gott und den Menschen untereinander bestehen.

                             Der Altar als besonderer Ort der Anwesenheit Jesu Christi in Brot und Wein steht in der Mitte der versammelten Gemeinde.

„Der Altar ist der Ort der Kommunion, der Gemeinschaft von Gott und den Menschen und der Menschen untereinander“, betonte der Bischof. „An ihm wird dazu eingeladen, miteinander Mahl zu halten, wie es dieser schöne Raum nachdrücklich deutlich macht.“

Der Altar ist der Ort der Gemeinschaft

Auch Pfarrer Benno Schäffel ging später beim Empfang nach dem Festgottesdienst auf die neue Gestaltung ein. Bewusst sei die Anordnung der Bänke einschließlich der Priestersitze so gewählt, dass alle Gottesdienstteilnehmer eine Gemeinschaft um den Altar und das Ambo und damit um Christus selbst bilden, erläuterte Schäffel, der für die Fokolar-Priestergemeinschaft in den neuen Bundesländern verantwortlich ist. „Auch wir Priester sind zuallererst Christen und gehören deshalb in diese Gemeinschaft hinein. Und erst dann sind wir die, die Gott für den Dienst in der Gemeinde berufen hat“, so der Ordinariatsrat, der auch das Seelsorgeamt des Bistums Dresden-Meißen leitet.

Neben dem Altar inmitten der  Gottesdienstgemeinde fällt in der Kirche besonders eine weiße Wand auf, die von einem Durchbruch in Kreuzform geprägt ist und ähnlich einem Lettner den Chorraum vom Kirchenschiff trennt. Zur Spiritualität der von der Italienerin Chiara Lubich (1920-2008) gegründeten Fokolarbewegung gehöre nicht nur der Gottesdienst in der Gemeinschaft, sondern auch das tägliche, persönliche Gespräch mit Christus, erinnert Pfarrer Schäffel. Um dafür einen intimen Ort und gleichzeitig einen eigenen Raum für den Tabernakel zu schaffen, sei der frühere Chorraum der Kirche durch die freistehende weiße Wand vom übrigen Kirchenschiff abgetrennt worden. Bänke mit Kniebänken laden nun in dem so entstandenen Raum der Stille zum persönlichen Gebet vor dem Allerheiligsten ein.

Zum geistlichen Leben der Fokolare gehöre es auch, sich mit dem leidenden Christus zu verbinden, sagt Schäffel. Dafür könne das Kreuz in der weißen Wand stehen, dass an Jesu Tod erinnere und zugleich vom Kirchenschiff her einen Blick hindurch in das Licht eröffne. Die Gestaltung des liturgischen Raumes soll zugleich auch ausdrückliche Einladung an die evangelischen Mitchristen sein, sich in der Kirche wohl zufühlen.

Eine Einladung auch an die evangelischen Mitchristen

Die  Kirche ist mit längerer Vorbereitung im zurückliegenden Jahr unter Leitung des Architekten Elmar Paul Sommer aus der Eifel umgestaltet und saniert worden. Die Gesamtkosten belaufen sich nach Angaben der Fokolarbewegung auf 320 000 Euro. Allein die Hälfte davon seien durch Spenden aufgebracht worden.

Außer Bischof Gerhard Feige waren zu dem Empfang am Abend des Vierten Advents im Begegnungszentrum der Fokolarbewegung in Zwochau neben weiteren Gästen auch die Bischöfe Joachim Reinelt, Dresden, und Joachim Wanke, Erfurt, gekommen.