05.04.2014

Der Prüfungsbericht zeigt, was in Limburg falsch lief und was künftig zu beachten ist

Über Limburg hinaus

Aus Schaden wird man klug – heißt es. Demnach gäbe es vom Limbuger Domberg eine Menge zu lernen. Das zumindest legt der Prüfungsbericht nahe, der vergangene Woche, veröffentlicht wurde.

Limburg an der Lahn; bekannt wegen seines Doms – und nun auch wegen eines Bischofshauses. Foto: imago

Von Beginn an stand das Projekt an der Lahn unter keinem guten Stern. Aus Angst vor Protesten wurde ohne jegliche Berechnung zunächst eine unrealistisch niedrige Kostenvorgabe von 1,45 Millionen Euro kommuniziert. Später, als der Bau nahezu ungesteuert immer umfangreicher und teurer wurde, schufen Bischof und Generalvikar ein geschlossenes System. Doch das dicke Ende kommt zuletzt, wie der Prüfbericht für den Vorsitzenden der Bischofskonferenz darlegt.


Zahlreiche diözesanrechtliche Vorgaben wurden nicht beachtet. Der Bischof übernahm die Ausgestaltung des Baus, ohne sich um Kosten zu kümmern, und überließ die Abwicklung dem Generalvikar. Der Diözesanbaumeister und der Geschäftsführer des Bischöflichen Stuhls, die das Projekt duchziehen mussten, wurden zu Verschwiegenheit verdonnert. Informationen, Anweisungen und Wünsche wurden mündlich weitergegeben – oder in versiegelten Umschlägen. Der Vermögensverwaltungsrat wurde kaum informiert, seine Aufsichtspflicht nahm er kaum wahr.

Ein Mammutprojekt – ohne Fachleute

Das Bischofshaus, nachträglich zum Diözesanen Zentrum umbenannt, war ein Mammut-
programm. Keiner der 27 Bischöflichen Stühle in Deutschland wäre nach Ansicht von Experten personell in der Lage, ein solches Projekt alleine zu stemmen. Dafür braucht man die Bau-, Finanz- und Verwaltungsfachleute des Bistums. Die aber wurden in Limburg bewusst ausgeschaltet.
Um solche Fehlentwicklungen andernorts zu vermeiden, sollte beherzigt werden, was die deutschen Bischöfe in einer eigenen Arbeitshilfe (Nr. 182) zur Aufsicht über katholische Sozialeinrichtungen fordern. Dort ist die Rede vom „Prinzip der personellen Trennung“ zwischen Geschäftsführung und Aufsichtsgremium sowie von gleichzeitiger „vertrauensvoller Zusammenarbeit“. Beides hat in Limburg gefehlt.


Bei den rechtlichen Vorschriften selbst gebe es allenfalls Details zu verbessern, so kirchliche Juristen. Wichtiger sei es, die personelle Zusammensetzung der Aufsichtsgremien zu überdenken: Wer muss dort hinein? Wer kommt nicht in Betracht? Zu vermeiden ist zudem Klerikalismus: Wenn Geistliche heikle Dinge unter sich ausmachen wollen. Und wenn Nichtkleriker aus falscher Loyalität zu spät oder zu wenig auf Kritik und Kontrolle drängen. Die aber sind nötig – um der Sache und der Glaubwürdigkeit willen.


Ein weitere Lehre aus Limburg: Transparenz. Dazu haben bereits im Herbst – unter öffentlichem Druck – etliche Diözesen die Vermögen ihrer Bischöflichen Stühle grob offengelegt. Da die Verhältnisse kompliziert sind, entwickeln derzeit Arbeitsgruppen der Bischofskonferenz weitgehend einheitliche Verfahren zur Erfassung und Bewertung kirchlicher Vermögensverhältnisse.

Von Roland Juchem