17.11.2016

Anstoß 47/2016

Stimmen, bis es stimmt!

Die Orgelsanierung in unserer Kirche wurde vor einigen Tagen abgeschlossen und die Wiederweihe unserer Orgel wurde feierlich begangen.

Denn unsere Orgel war nicht nur verstimmt, sondern sie bedurfte einer Überholung, damit endlich alles wieder stimmt und die Übereinstimmung von Orgel und Gesang der Gemeinde möglichst wieder harmonisch und gut klingt.
Doch die stimmungsvolle Erwartung des neuen Klanges der Orgel wurde auch nach ihrer Rückkehr und vor der Wiederinbetriebnahme noch auf die Probe gestellt. Warten war angesagt. Geduld und ein gutes Gehör gehören zum Orgelbau. Pfeife für Pfeife musste eingebaut und gestimmt werden. Denn das Klingen der Pfeife und der richtige Ton sind wichtig, er soll ja auch stimmen. Es ist alles, so wie bei uns Menschen, es gibt Kleine und Große, kleine Pfeifen und Große Pfeifen, Pfeifen die hell und froh gestimmt sind und Pfeifen, die dunkel und missgestimmt sind und auch Pfeifen, die alles übertönen wollen. Und bei mancher Pfeife, da dauert es lange, bis alles endlich stimmt. Das alles in Einklang und in Harmonie zum Klingen zu bringen, denn es soll alles stimmen, davon kann jeder Orgelbauer und Intonateur ein Liedchen uns singen, im Vorgang des Stimmens. Apropos Stimmung: Ja, Stress und den Termindruck war auch da und dann endlich das Hochgefühl, es ist geschafft, sogar die Festschrift ist fertig, das Werk ist vollbracht, das alles sind Stimmungslagen, sie gehören im Vorgang des Stimmens dazu.
Doch bei aller Freude wissen wir alle, eine Orgel ist und bleibt immer ein Werk, ein Werk zur Ehre Gottes. Eine Orgel ist uns eine Hilfe, unsere Herzen und unsere Stimmen zu Gott zu erheben. Eine Orgel ist eine Übereinstimmung und ein Werk, mit all seinen Pfeifen, die kleinen und großen, die dunklen und hellen, die weichen und schrillen. Die Stimmung der Orgel ist wichtig und sie muss immer wieder gestimmt und nachgestimmt werden, so wie wir, wir als Menschen, auch den Stimmungsschwankungen unterliegen und gelegentlich nachgestimmt werden müssen, damit dann wieder auch mit uns alles stimmt.
Und zu allen Stimmungslagen und Stimmungstagen wird unsere Orgel spielen: in unserer Trauer uns trösten, in unserer Sehnsucht uns inspirieren, in unseren Gefühlen uns anregen, auch mal zu improvisieren, in unseren Alltag und Sonntag wird sie uns begleiten und zur prächtigen Festtagsstimmung unsere Herzen zu Gott erheben.
Mein Wunsch, dass in allen unseren Kirchen die Kirchenmusik unsere Zustimmung erfährt. Und, dass wir gemeinsam übereinstimmen und das  Orgelspiel und unsere Stimmen zu Gott erheben und so eine stimmungsvolle Brücke schaffen zwischen Himmel und Erde, zwischen Erde und Himmel.
Apropos Himmel: Dort, im Himmel, da gibt es zwar viele Orgeln und Organisten und viele Pfeifen, doch keine ist mehr verstimmt oder muss nachgestimmt werden, nein, im Himmel erklingt in himmlischer Übereinstimmung das große Amen. Halleluja!

Pater Josef kleine Bornhorst, Dominikanerkloster Leipzig-Wahren