20.10.2011

Anstoss 40/2011

Sprechen wir von Gott

„Es geht um den Papst.“ Mit dieser Antwort hätte man während des Besuchs von Benedikt XVI. in Deutschland jede Frage nach dem aktuellen Fernsehprogramm beantworten können.

Ich muss zugeben, die intensive Berichterstattung über den Papstbesuch ist an mir vorbei gegangen. Vor Jahren habe ich meinen Fernseher verabschiedet und auch das Radio läuft in der Regel nur im Auto. Ich weiß, damit lebe ich einigermaßen hinter dem Mond. Aber ich muss sagen, hinter dem Mond lässt es sich ganz gut leben.
Ein paar Wortfetzen habe ich trotzdem aufgeschnappt. Im Radio war von einem Autor die Rede, der behauptet, alle Welt rede zwar vom Papst, aber über den lieben Gott werde nirgendwo gesprochen. Auf den ersten Blick scheint die Kritik, wenn es denn eine war, berechtigt. Aus den Medien haben wir von Protesten gegen den Besuch des Papstes in Deutschland erfahren. Bis ins kleinste Detail wurden wir über das päpstliche Besuchsprogramm informiert. In verschiedenen Talkrunden wurden mit mehr oder weniger interessanten Gästen die hohen Erwartungen an den Besuch des Heiligen Vaters diskutiert. Alle reden über den Papst, aber niemand spricht vom lieben Gott.
Wenn ich dagegen an die vielen Predigten und Reden denke, die Papst Benedikt XVI. in Deutschland gehalten hat, möchte ich antworten: Der Papst spricht von Gott. Und mit ihm spricht die Kirche seit über 2000 Jahren unablässig von Ihm. Jeder Gottesdienst ist eine Einladung, über Gott zu sprechen, und darüber hinaus mit Ihm ins Gespräch zu kommen. Das lässt sich in den Medien nicht gut darstellen. Darum habe ich ein gewisses Verständnis dafür, wenn aus dem, was der Heilige Vater sagt, vor allem die kirchenpolitischen Themen herausgefiltert werden, denn die lassen sich zu kurzen, plakativen Nachrichten zusammenfassen.
In der Kirche werden wir weiter von Gott sprechen. Wenn in diesen Tagen ganz ökumenisch in katholischen und evangelischen Kirchen Erntegaben stehen, sprechen diese Gaben von Gott, den wir in Vater, Sohn und Heiligem Geist als Schöpfer des Lebens verehren. Das ist nicht so spektakulär wie der Besuch des Heiligen Vaters in unserem Land und wird kaum mehr als eine Randnotiz in den Medien sein. Aber die Kirche feiert darin, was der Papst in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag zur Frage gemacht hat: „Ist es wirklich sinnlos zu bedenken, ob die objektive Vernunft, die sich in der Natur zeigt, nicht eine schöpferische Vernunft, einen Creator Spiritus voraussetzt?“ Religion ist eine Antwort auf diese Frage. Menschen geben ihrem Empfinden Ausdruck, dass sie ihr Leben einem Größeren verdanken. Wo Religion von vielen auf ihre Rolle als überkommene Hüterin von Moral und Ordnung reduziert wird, ist das vielleicht die beste Art, von Gott zu sprechen.
Kaplan Marko Dutzschke, Cottbus