10.09.2011

Anstoss 31/2011

Sommerzeit ist Gartenzeit

Sommerzeit ist Gartenzeit!

Obwohl uns das Wetter der vergangenen Wochen Kapriolen zugemutet hat, war es doch möglich, einige schöne Tage und Abende auf Balkonien, in einem Biergarten, in Parks oder dem heimischen Garten zu verbringen. Sommerzeit ist eben Gartenzeit!
Wenn man einen Garten unter die Lupe nimmt, kann man so einiges finden: Es gibt schön gestaltete Flächen, Blumenmauern und Kübel. Da grünen Pflanzen, Blumen und Gemüse. Dazwischen sprießt aber auch immer Unkraut, das die Vitalität des Gewünschten und Gewollten bedroht – die Ernte gefährdet – und das wir, so schön es oft zu blühen scheint, um des Ganzen willen ausreißen müssen. Jede Pflanze hat zudem ihre Eigenart. Die einen sind bunt, andere eher eintönig. Manche bringen prächtige Blüten hervor, wohingegen andere wie die berühmten Mauerblümchen aussehen.
Dann gibt es Ecken in unserem Garten, die brach liegen. Projekte, die schon lange auf der Agenda stehen, für die aber noch der richtige Elan, die Zeit oder das Geld fehlen. Neben den schmutzigen Stellen im Garten, die mal richtig ausgemistet werden müssten, gibt es solche, an denen bewusst Abfall abgelagert werden kann. Vielleicht wird eines Tages sogar guter Boden daraus.
Außerdem trägt jede Pflanze auf ihre Art Samen und Früchte. Das müssen keine exotischen Früchte sein, eher das, was in unsere Breitengrade passt. Jede Pflanze versucht das hervorzubringen, was sie hervorbringen kann und sollte es vermutlich auch nicht anders machen. Ein Apfelbaum kann keine Birnen hervorbringen. Ein Pflaumenbaum wäre mit Kiwis überfordert und die Kiwis würden wahrscheinlich nicht schmecken.
Ein Garten sollte zudem Raum zur Entfaltung lassen. Beim Säen muss der Gärtner einen ausreichenden Abstand einkalkulieren. Manche Pflanzen vertragen sich nicht, wenn sie zu eng beieinander stehen. Wenn man hingegen einen gewissen Abstand wahrt, können beide gut gedeihen. Es gibt aber auch Pflanzen, die sich weder Licht noch Wasser streitig machen und nicht ohne einander können, weil sie sich gegenseitig die Schädlinge von der Pelle halten.
Der Gärtner sollte den Überblick über all das behalten. Er ist für die Pflege verantwortlich, er muss stutzen, zurechtschneiden und kann veredeln. So manche Pflanze im Garten benötigt hin und wieder seine besondere Aufmerksamkeit. Hier kann er dann stützen, aufrichten, gießen und düngen. Dafür gibt es ja andere, die robuster, beinahe unverwüstlich sind und in bester Weise ohne große Beachtung gedeihen. Wichtig ist auch, dass sich der Gärtner nicht vom äußeren Schein der Früchte täuschen lässt. Die rot glänzendsten Tomaten können ziemlich wässrig und fad schmecken, wohingegen etwas bräunliche und runzlige Äpfel herrliches Aroma entfalten.
Ich wünsche Ihnen eine lebendige und blühende Sommer- und Gartenzeit.
Pater Bernhard Kohl, Dominikanerkloster St. Albert, Leipzig