15.02.2016

Soll man das Fenster öffnen, wenn jemand stirbt?

Ich habe gehört, man solle das Fenster kippen, wenn ein Angehöriger zu Hause stirbt, damit der Geist oder die Seele aufsteigen kann. Der Tote bekäme sonst keine Ruhe. Wie ist das, wenn jemand im Krankenhaus oder im Heim stirbt? M. H., 64571 Gelnhausen-Höchst

Manche heute mögen lächeln oder kurz schnauben ob solchen „Aberglaubens“. Doch es gibt den Brauch, ein Fenster oder die Tür des Zimmers zu öffnen, in dem gerade ein Mensch gestorben ist. Und wenn es ihn nicht überall gibt, so hat er doch Gründe, weshalb er entstand und weshalb er fortgeführt wird.

Natürlich kann man sagen: Die Seele hat keine Materie und kann daher aus geschlossenen Räumen entweichen. Dennoch möchten und wollten dies sich viele Menschen vorstellen. So wird auf Gemälden und Skulpturen früherer Jahrhunderte die Seele als Kind, Vogel oder Frau dargestellt, die dem Mund des Toten entsteigt und gen Himmel schwebt.

Ob sie heute nun an eine Seele glauben oder nicht: Vielen Menschen war und ist bewusst: In dem Moment, in dem ein Mensch sein Leben aushaucht, das Leben den Körper verlässt, geschieht etwas Besonderes. Indem man nun das Fenster öffnet, bringt man gewissermaßen symbolisch seinen Glauben zum Ausdruck, dass die Seele/der Verstorbene nun an anderem Ort weiterlebt.

Weil es im Zimmer sterbender Menschen oft unangenehm riecht, hat das Öffnen des Fensters gleichwohl auch praktische Gründe. Das war früher nicht anders. Wer zudem spürte, dass „der Tod anklopft“ und „das Zimmer betritt“, lässt anschließend Licht und Luft herein, um sich zu beruhigen.

Wie man es selber hält, kann jeder für sich entscheiden. In Heimen und Krankenhäusern wird das je nach Region oder anwesenden Personen unterschiedlich gehandhabt.

Von Roland Juchem