21.12.2012

Pater Gordian Landwehr wäre dieser Tage hundert Jahre alt geworden

Sein Predigen machte DDR-Obere nervös

Der Leipziger Dominikanerpater Gordian Landwehr wäre am 30. Dezember 100 Jahre alt geworden. Pater Ralf Sagner erinnert an den DDR-weit bekannt gewordenen Prediger.
 

Pater Gordian Landwehr


Als im Jahre 1951 der 39jährige Dominikanerpater Gordian Landwehr als Volksmissionar aus Düsseldorf nach Leipzig in die DDR kam, konnte er nicht ahnen, dass er schon wenige Jahre später 1957 von der Sächsischen Zeitung als „Natoprediger im Jesuitengewand“ tituliert wurde. Nach den blutig niedergeschlagenen Aufständen in den sowjetisch beherrschten Staaten des Ostblocks wurden die Oberen der DDR und deren Presse zunehmend nervös wegen der Menschenmassen, die zu den Predigten des Dominikaners strömten.
Pater Gordian, der mit seinen Predigten bis zu diesem Zeitpunkt monatlich 10 000 bis 20 000 Jugendliche und junge Erwachsene in vielen Orten der DDR erreichte, geriet in das Fadenkreuz des Staatssicherheitsdienstes. Er rechnete fortan mit seiner Verhaftung. Seine Ordensprovinz erwog deshalb sogar, ihn aus Leipzig in den Westen Deutschlands zurückzuholen. Auf eigenen Wunsch und mit der Unterstützung des damaligen Berliner Bischofs Kardinal Julius Döpfner blieb er jedoch in der DDR und predigte erfolgreich weiter.
Das verhängte Predigtverbot missachtete er und ließ sich nicht einschüchtern. Er konnte damit den jungen Menschen, die sich einem System gegenübersahen, das Gott als Hirngespinst verächtlich und lächerlich zu machen versuchte, weiter diesen lebendigen Gott verkündigen.
Wenn man nach dem Rezept seines Erfolges sucht, stößt man in seinen Texten immer auf einen im Menschen und dessen Leben verankerten Glauben. Er verstand es, Gott, der für viele Menschen eher abstrakt blieb, in der individuellen Existenz seiner Zuhörer sichtbar zu machen. Der Glauben an den Gott, der das Heil der Menschen nicht nur will, sondern auch bewirkt, wurde für die Zuhörer Pater Gordians so zutiefst plausibel. Gleichzeitig scheute er sich nicht, zu den politischen Verhältnissen in der DDR klar Stellung zu beziehen. Er gilt damit auch als einer der geistigen Wegbereiter der politischen Umwälzungen in der DDR am Ende der 1980er Jahre.
Die Jugendpredigten hielt Pater Gordian bis etwa 1968. Sie machten ihn landauf und landab bekannt. Ab den 1970er Jahren widmete sich Pater Gordian der ökumenischen Zusammenarbeit mit den evangelischen Christen in Leipzig. Auf Einladung evangelischer Pfarrer und Professoren der Leipziger Universität begann er, Exerzitien und Besinnungstage für evangelische Christen zu geben. Damit leistete er einen wesentlichen Beitrag für eine nachhaltige ökumenische Zusammenarbeit in Leipzig.
Von 1975 bis 1987 war er Pfarrer in der Gemeinde, deren Kirche St. Albert er 1951 als erste katholische Kirche nach dem Krieg in Sachsen errichten ließ. Im Jahre 1995 wurde Pater Gordian mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Nach seinem Tod am 11. Juni 1998 wurde er in „seiner“ Pfarr- und Klosterkirche St. Albert zur letzten Ruhe gebettet.

Die Leipziger Dominikaner werden Pater Gordians Jubiläum an den letzten drei Freitagen im Mai 2013 (17.5., 24.5. und 31.5.) festlich begehen. Das Festprogramm wird rechtzeitig bekannt gegeben.