10.09.2011

Anstoss 33/2011

Scheintote in der Fußgängerzone

3. Juni 2011. Dresden erlebt bei strahlendem Sonnenschein den 33. Evangelischen Kirchentag.

Auf der Prager Straße, der Dresdner Flaniermeile steht ein ziemlich ernst daherblickender Mann und reckt ein Pappschild in die Höhe: „Bist du vorbereitet auf den Tod?“, verkündet es warnend mit selbstgemalten Buchstaben. Er sieht recht unerlöst aus, wie er sich da mit trotzigem Elan gegen all die Vorbeieilenden stellt.
Menschen wir er sind auf Kirchentagen, egal ob katholisch oder evangelisch, nicht wegzudenken. Und die Sprüche auf den Pappschildern klingen auch recht ähnlich. Auf ihnen reckt sich unsichtbar, doch trotzdem spürbar ein riesiger mahnender Zeigefinger in die Höhe.
Die Frage dahinter soll uns wahrlich erschüttern, zum Nachdenken bringen und uns unsere Begrenztheit bewusst machen.
Was wird das für ein Mann sein, der da, trotz allem Kopfschütteln, sein warnendes Fragen in den Himmel sticht: Ein unerkannter Prophet? Ein Mahner und Rufer? Ein Heiliger?
Wohl eher nicht, denn, entschuldigen Sie bitte die Direktheit: Er stellt schlicht die falsche Frage. „Bist du vorbereitet auf die Auferstehung?“, müsste diese lauten. Diese Frage ist viel spannender und vor allem mit viel mehr Leben gefüllt als das morbide Drohen.
Die Verheißung der Bibel sucht den Lebenden nicht bei den Toten und so, man verzeihe mir den frechen Ton, glaube ich einfach nicht daran, dass Scheintote mit ihrem meist sehr angstbesetzten Gottesbild die richtigen sind, den Gott des Neuen Bundes zu verkünden.
Natürlich sollen wir unseren Tod nicht verdrängen. Aber fragen sie mal die vielen „Religiösen -Kinderwochen-Kinder“ die sich in diesem Jahr mit der Frage nach Tod und Auferstehung beschäftigt haben. Die werden Sie vermutlich nicht mit finsteren Blicken anschauen und Warnungen flüstern. Die werden ihnen erklären das R.I.P. ab jetzt „Raupe im Paradies“ heißt. Und sicher können Ihnen die Kleinen und Mittelkleinen auch erzählen, dass der Tod eines lieben Menschen uns natürlich traurig machen darf. Und dann hoffe ich, erzählen sie von der Hoffnung auf mehr. Davon, dass der Tod kein Schlussstrich  sondern ein Doppelpunkt ist. Das machen die Kinder dann womöglich mit ihren eigenen Worten – und sagen dabei das, was wir als Christen glauben und feiern. Diese Verheißung ist lebendig und froh machend.
Dabei waren manche Reaktionen der Erwachsenen im Vorfeld der Religiösen Kinderwoche (RKW) schon ein wenig komisch: „Was, die Kinder sollen sich in der Ferien mit dem Tod befassen? Ist das nicht ein viel zu schweres Thema?“
Pustekuchen! Auch Kinder kommen um diese Fragen nicht drumrum. Das Schöne ist doch das Geheimnis unseres Glaubens: Im Tod ist das Leben. Und wenn wir auf diesen Glauben getauft sind, muss er auch zur Sprache kommen.
Mit dieser Hoffnung im Herzen muss sich niemand mit Pappschildern auf die Fußgängerzone stellen. Vorbereitet zu sein auf die Auferstehung heißt, den Glauben an Jesus Christus ernst zu nehmen. Das Wagnis heißt Leben!
Guido Erbrich, Roncallihaus, Magdeburg