24.01.2014

Anstoß 4/2014

Respekt? Respekt!

Es gibt wieder etwas zu diskutieren, zu streiten und zu polarisieren: Baden-Württemberg will in einem neuen Bildungsplan für alle Schulformen, die Erziehung zu mehr Toleranz gegenüber sexueller Vielfalt verankern.

Dieses Anliegen ist zu einem großen Streitthema geworden und bietet vielen erneut Anlass, die Sicht der Kirchen zu kritisieren und zu hinterfragen ...
Ein Anlass zum Nachdenken über Toleranz und Respekt gegenüber Menschen, die anders sind, ist es allemal. Toleranz, auch mit Duldsamkeit zu beschreiben, bedeutet allgemein erst einmal nicht mehr als „ein Gelten- und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten“. Umgangssprachlich fassen wir den Begriff heute häufig weiter, indem auch die Anerkennung einer Gleichberechtigung eingeschlossen wird, die jedoch über den eigentlichen Begriff der Duldung oder Hinnahme eines Andersseins hinausgeht.
Wenn Toleranz gelehrt werden soll, gleich in welcher Hinsicht, geht es also nicht darum, Meinungen oder Handlungsweisen zu vermitteln, sondern zunächst darum, aushalten zu lernen, dass Menschen verschieden sind, verschiedenen Überzeugungen anhängen und verschiedene Neigungen haben. Im heute gebrauchten Wortsinn ist es darüber hinaus auch eine Aufgabe von Schule, Kinder und junge Menschen zu Respekt und Achtung vor dem anderen, von mir verschiedenen Menschen zu erziehen, der ebenso wertvoll ist wie ich und die gleiche Würde hat wie ich. Jede Erziehung zur Friedensliebe, zur Achtung der Menschenwürde, zu Demokratiefähigkeit setzt dies voraus. Die Grundlage dafür muss im Kindes- und Jugendalter gelegt werden – nicht zuletzt die Geschichte unseres Volkes hat dies deutlich gemacht.
Es ist aber auch so, dass gerade im Blick auf den Respekt vor Menschen, die sexuell anders orientiert sind als die Mehrheit, unsere Gesellschaft noch eine Menge zu lernen hat.
Bei allen Schwierigkeiten, die die Kirchen und viele einzelne Christen in einem positiven Umgang mit sexueller Vielfalt haben (könnten), gibt es Einiges, was gerade auch aus christlicher Sicht für Toleranz, Respekt, ja auch Akzeptanz spricht:
Jeder Mensch ist von Gott gewollt, so wie er ist. Was ihm an Eigenheiten, Fähigkeiten, Neigungen mitgegeben ist, ist von Gott geschenkt! Zu jedem und jeder von uns sagt er: Du bist mein geliebtes Kind, ich habe dich gut geschaffen! Jeder einzelne Mensch ist Abbild Gottes und zeigt also auch etwas von dessen Wirklichkeit! Mit dieser Überzeugung sollten wir Menschen begegnen und sie respektieren.
Angela Degenhardt, Gemeindereferentin, Sangerhausen