04.06.2014

Priesterweihe 2014

Raphael Weichlein

Auch wenn er sich schon früh in der Kirche zu Hause fühlte, musste seine Berufung doch lange in Raphael Weichlein gären, bis er sich während des Weltjugendtages 2005 in Köln dazu entschloss, ihr nachzugeben.

Erfurt (tdh). Raphael Weichlein (31) hat sich in der Kirche zu Hause gefühlt, seit er in seiner Heimatgemeinde im Bistum Speyer Ministrant wurde. Er fühlte sich wohl bei Zeltlagern und anderen Gemeinschaftserlebnissen. Als „Pfarrer der alten Schule, aber im positiven Sinn“ beschreibt er den Heimatpfarrer, der ihn geprägt hat.
Schon in der Schulzeit stieg die Frage in ihm auf, ob der Priesterberuf auch für ihn etwas sein könnte, aber diese Frage machte auch ihm Angst damals, und so schob er sie lieber beiseite. Ein Kaplan, der ihm zu einem väterlichen Freund wurde, viele seiner Fragen beantwortete und ihm mit seiner eigenen bewegten Berufungsgeschichte beeindruckte, ließ die Frage nach der eigenen Berufung zum Abitur hin immer konkreter werden, und doch war Raphael Weichlein der Einberufungsbescheid der Bundeswehr zunächst einmal äußerst willkommen.
Eintauchen in eine völlig andere Welt, sich arrangieren mit fünf anderen Männern auf der Stube, erstmalig rund 200 Kilometer von zu Hause weg – die Bundeswehrmonate waren für ihn eine Zeit der Prüfung. Als „Spätzünder“, wie er selbst sagt, entdeckte er dort Partys und Feiern und begann eine Beziehung mit einem Mädchen. Die Berufungsfrage gärte weiter, während er neun Monate in einer „Evangelisationsschule“ der Gemeinschaft Emmanuel in Altötting verbrachte und von dort aus mit einem christlichen Musical auf Europa-Tournee ging. Und sie gärte weiter, als er im Herbst 2003 in München ein Lehramtsstudium in Deutsch und Religion aufnahm, parallel noch Philosophie bei den Jesuiten studierte und sich deutschlandweit in der Fachschaft für andere Theologiestudierende engagierte. „Obwohl ich gute Freunde unter den Kommilitonen gefunden hatte und auch bei den Professoren einigermaßen angesehen war, spürte ich immer noch diese innere Unruhe“, erzählt der Pfälzer.
Die verschwand erst, nachdem er die Beziehung zu seiner Freundin gelöst und beim Kölner Weltjugendtag einen ersten Schritt in Richtung Priesterseminar getan hatte. Der Entschluss, es im Seminar des Neokatechumenalen Weges zu versuchen, war vor allem durch die positiven Erfahrungen geprägt, die er mit dieser geistlichen Gemeinschaft gesammelt hat. Über den Kaplan in seiner Heimatgemeinde hatte er sie kennengelernt, in München hatte er sich selbst angeschlossen. Die intensive Beschäftigung mit der Bibel, die er dort kennenlernte, und der Austausch mit Glaubensgeschwistern hatte ihm geholfen, der Frage „Was will Gott für mich?“ nicht länger auszuweichen.

Vielfältige Erfahrung von Weltkirche
Gut aufgehoben fühlte er sich beim Neokatechumenalen Weg auch mit seiner missionarischen Grundhaltung, die für ihn mit seiner Berufung von Anfang an untrennbar verbunden ist. Zu seiner Ausbildung im Berliner Seminar Redemptoris Mater gehörte ein Missionspraktikum in der Stadt Brandenburg, ein Jahr in einem internationalen Pilgerzentrum in Israel, ein Jahr in Irland, bei dem er unterschiedlichste Gemeinden kennenlernte, und das Diakonatspraktikum im Pastoralverbund Reinickendorf, das nach der Priesterweihe um ein weiteres Jahr verlängert wird. Besonders durch die vielfältige Erfahrung von Weltkirche fühlt sich Raphael Weichlein sehr bereichert. Auch die Begegnungen mit Juden in Israel haben seinen Horizont erweitert. „Sie haben mir geholfen, die Zusammenhänge zwischen Altem und Neuem Testament schärfer zu sehen“, erzählt er. Seine Abschlussarbeit schrieb er dennoch nicht über ein biblisches Thema, sondern über den Freiheitsbegriff von Maximus Confessor, ein Kirchenvater des siebten Jahrhunderts nach Christus.
„Freiheit ist ein sehr wichtiges Thema auf dem Weg meines Glaubens“, sagt er. Glaube befreit, ist seine Überzeugung. Als Seelsorger möchte er Menschen auf ihrem geistlichen Weg zur Freiheit begleiten. Als Leitfigur dafür hat er in letzter Zeit seinen Namenspatron, den Erzengel Rafael entdeckt. So wie Rafael Tobias und Sarah begleitet und zusammengeführt hat, möchte er Helfer sein, damit Menschen Gottes Wirken in ihrem Leben sehen und zu tiefen Begegnungen finden. Sein Primizspruch stammt folgerichtig aus dem Buch Tobit (12,6): „Gebt froh die Ehre und bezeugt, was er für euch getan hat!“