20.07.2017

Anstoss 29/2017

Pop-Art Luther

Im Reformationsjahr kommt keiner um Luther herum. Selbst ins katholische Roncalli-Haus in Magdeburg hat er es geschafft. Hier hingen bis Ende Juli über 30 verschieden Pop-Art Luther-Gemälde des Künstlers Kurt Arnold.


Pop-Art ist eine Strömung der zeitgenössischen Kunst, die alltägliche Gegenstände verfremdet, unter anderem durch grelle Farbdarstellungen. Der Luther auf diesen Bildern ist entsprechend bunt, manchmal grell, dann wieder mit scharfen Konturen einfarbig.
Für mich sind es die Gegensätze, die die Lutherdarstellungen Kurt Arnolds so faszinierend machen. Und sie scheinen zum Reformator zu passen, der auch ein Mann der Gegensätze war. Für ihn scheint es oft klar zu sein, was richtig und was falsch ist. Dort, wo er auftrat, setzte er  seine Akzente so, dass auch der letzte mitbekam, was er meinte. Pop-Art und Luther – das passt.
Ich gebe es zu, mancher Strich an den Bildern ärgert auch. Und das wird dem streitbaren Reformator durchaus gerecht. Als Christ kann ich machen, was ich will – ich komme um eine Positionierung zu Luther nicht herum. Diese ist dabei nicht der Platz für die leisen Zwischentöne und Nuancen.   
Dafür waren in der langen Geschichte der evangelischen Kirche andere zuständig. Und das macht den Umgang mit Luther bis heute so reizvoll und bisweilen auch anstrengend.
Die theologische Abrissbirne und der spektakuläre Neuaufbau gehören zusammen. Der Streit der Reformationszeit, in vielem unsäglich und nicht nur aus heutiger Sicht unchristlich, wo sich Papst und Luther gegenseitig nichts geschenkt haben und dabei auf beiden Seiten enormen Schaden angerichtet haben, hat auf der anderen Seite auch Neues und Richtiges entstehen lassen. Aus der Schwarz-Weiß-Malerei entstand ein wundervoll farbenprächtiges Bild, auf das evangelische und katholische Christen heute durchaus mit Stolz und Dankbarkeit blicken können. Heute gestalten Christen aller Konfessionen die Gesellschaft mit, setzen sich gemeinsam dafür ein, dass diese Welt besser wird. Zum Abschlussgottesdienst des evangelischen Kirchentags in Wittenberg brachte das der Magdeburger Bischof Gerhard Feige auf den Punkt: „Uns bekommt keiner mehr auseinander.“

Guido Erbrich, Biederitz