17.09.2015

Anstoß 38/2015

Pfarrer Brandebusemeyers Predigt

Kürzlich fand ich auf Facebook einen eindrucksvollen Text von Pfarrer Jens Brandebusemeyer aus Lingen. Es ging um das Gesetzeswerk, das Mose auf Geheiß Gottes aufstellte. Und um einen kleinen Satz, den Jesus zu den Frommen seiner Zeit sagte „Dieses Volk ehrt mich mit Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir.“

Darüber hätte Pfarrer Brandebusemeyer viel Richtiges und Beruhigendes predigen können und der allgemeine Kirchenschlaf hätte seine beruhigende Wirkung entfalten dürfen. Aber er entscheidet sich anders. Er bringt das Wort Gottes in Zusammenhang mit Artikel eins des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Pfarrer Brandebusemeyer schafft es, Jesu Kernbotschaft deutlich auf den Punkt zu bringen.
Im Original klingt das so: „Ich bin nicht gerade für politische Predigten bekannt, doch was Jesus ...von der Reinheit des Menschen sagt, gilt eins zu eins auch für unseren Staat, die Bundesrepublik Deutschland: Nichts, was von außen hineinkommt, macht den Menschen oder den Staat unrein, sondern die bösen Gedanken, Mord, Bosheit, Verleumdung und Unvernunft, die aus dem Innern kommen. Nochmal auf deutsch: Nicht die vielen Flüchtlingsströme, und mögen es noch so viele sein, stellen die eigentliche Herausforderung für Deutschland dar, sondern die Nachrichten, wie Rechtsradikale mit unseren Gästen umgehen – Gäste, die den Terror hinter sich gelassen zu haben glaubten. Ich bin gern bereit, anzuerkennen, dass Verfahren beschleunigt, Trittbrettfahrer aussortiert und Geldleistungen hinterfragt werden können. Aber soweit es in meiner Macht als kleiner Pfarrer liegt: Lassen Sie uns alle bitte nicht auf ein Niveau herabrutschen, dessen man sich wieder schämen muss. Stellen wir uns am Stammtisch, auf Facebook und beim Kaffeeklatsch hinter die christliche Botschaft des Abgebens und Teilens, des Mitleidens und Mitaushaltens, und beziehen wir Position, wenn wir als deutsche Bürgerinnen und Bürger noch etwas auf unsere christliche Prägung geben. Ich weiß, dass wir Christen in Deutschland zahlenmäßig auf dem Rückzug sind, aber alle, die sich noch als Christin und Christ bezeichnen, sollten ganz klar wissen, dass Solidarität mit den Armen, den Flüchtlingen und Bedrängten stets und zu jeder Zeit Aufgabe der Kirche waren, sind und bleiben. Sollte jemand in diesem Punkt grundsätzlich anderer Meinung sein, bitte ich ihn oder sie erstmals öffentlich, aus der Kirche auszutreten. Man kann meines Erachtens nicht Christ sein und sich gleichzeitig an Demonstrationen gegen die Existenz von Menschen beteiligen, denen keine Wahl gelassen wird, oder gar mit Gewalt gegen dieselben vorgehen. Hier gibt es keine zwei Meinungen!! Geben wir Gottes Gebot der Nächstenliebe nicht preis, nur weil es mit einem mal ernst wird. Amen“
Besser hätte ich es nicht sagen können. Danke, Pfarrer Brandebusemeyer!

Guido Erbrich, Biederitz