29.03.2012

Ökumenetag zum Spannungsfeld von Christsein, Ökumene und Politik in Magdeburg

Ökumene-Wasser für die Gemeinde

Beim Ökumene-Tag der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Sachsen-Anhalt ging es in diesem Jahr um das Spannungsfeld von Glauben, missionarischem Christsein, Politik und Ökumene. Referent war der frühere Bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein.

Vertreter der verschiedenen Kirchen und Konfessionen gossen Wasser aus ihren Gefäßen in einen kupfernen Kessel. Von dem so vermischten ökumenischen Wasser nahmen sich alle Teilnehmer etwas mit nach Hause mit. Foto: Karsten Wiedener

Von Karstenen Wiedener

Magdeburg. Mit Krügen in ganz eigener Form und Größe und unterschiedlich hoch gefüllt schritten die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Sachsen-Anhalt zu einem kupfernen Kessel. In ihn gossen sie das Wasser aus ihren Gefäßen, das sich dort vermischte. Beim Abschlussgottesdienst des Ökumenetages am 24. März in der Magdeburger Kathedrale St. Sebastian wurde dieses originelle Zeichen der Verbundenheit zwischen den Kirchen und Konfessionen gesetzt.

Bald war der Kessel allerdings wieder leer, denn die rund 50 Gottesdienstbesucher füllten sich von dem zusammengeführten Wasser kleine Glasflaschen mit ACK-Aufschrift ab, um sie mit in ihre Heimatgemeinden zu tragen. Die „Mixtur“ solle Symbol für die gemeinsame Quelle und für die unterschiedlichen Gaben sein, sagte der evangelische Kreisoberpfarrer des Kirchenkreises Ballenstedt, Jürgen Dittrich, der zugleich Vorsitzender der ACK in Sachsen-Anhalt ist.

An dem Gottesdienst, bei dem der Bischof der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, Hans-Jörg Voigt die Predigt hielt, konnte der prominenteste Gast des Tages aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr teilnehmen. Günther Beckstein, der frühere Bayerische Ministerpräsident und Vizepräses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, war jedoch zu seinem Vortrag am Vormittag im Roncalli-Haus gekommen. Pfarrer Dittrich hatte den CSU-Politiker – ein Protestant im eher katholisch geprägten Bayern – als „wahrhaft ökumenische Persönlichkeit“ begrüßt.

Der frühere Bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein sprach im Magdeburger Roncalli-Haus über Christsein, Ökumene und Politik. Foto: Dieter Müller

Becksteins Referat trug den Titel „Dem Allerhöchsten verantwortlich – Ökumene, Christentum, Politik“. Entsprechend widmete er sich, unterbrochen von Anekdoten, dem Spannungsfeld, dem christliche Politiker oft zwischen ihrem „Christsein“ und politischer Machtausübung ausgesetzt sind, und den Beziehungen zwischen Kirchen und Konfessionen. Die Unterschiede sollten als Bereicherung erfahren und Ökumene „im Bewusstsein, dass unsere Gemeinsamkeiten stärker sind als das Trennende“, gepflegt werden.

Beckstein beklagte einen Mangel an ethischen Werten in der modernen Wirtschaft, die zudem wenig familienfreundlich sei. Es dürfe nicht der reine Kapitalismus regieren. Zudem sprach sich Beckstein für Regelungen aus, die Sterbehilfe gegen Geld verbieten.


Eingeladen hatten das Bistum Magdeburg, die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland und die Evangelische Landeskirche Anhalts. Organisiert wurde der Tag von der Kommission für pastorale Fragen der drei Kirchen.

Mehr zum Referat von Günther Beckstein
www.ack-sachsenanhalt.de

Hintergrund
Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Sachsen-Anhalt hat sich in ihrer heutigen Form 1993 konstituiert. Ihr gehören derzeit zwölf Kirchen und Glaubensgemeinschaften an, drei weitere verfügen über einen Gaststatus.