09.02.2015

Nochmal: Warum sitzt man beim Gabengebet?

Die Antwort auf die Frage nach der Körperhaltung beim Gabengebet hat viel Widerspruch erfahren. Und Bitten um Richtigstellung. Deshalb noch einmal: Sitzen oder stehen? Was ist richtig und warum?

 

„Man sitzt, weil man bei der Gabenbereitung eben sitzt und das Gabengebet zur Gabenbereitung gehört“, sagt Prof. Dr. Eduard Nagel vom Deutschen Liturgischen Institut spontan auf Anfrage. Aber da gäbe es eine Neuordnung, die noch nicht gültig sei. Er würde sie schicken. Und die bislang gültigen Vorschriften auch. Mit Kommentaren.

Die Debatte „Sitzen“ oder „Stehen“ entzündet sich an folgender Formulierung: „Soweit keine andere Regelung getroffen wird, soll man in allen Messfeiern stehen: vom Gesang zur Eröffnung ... bis zum Tagesgebet ..., dann vom Gabengebet bis zum Ende der Messe, mit den folgenden Ausnahmen: ... Zur Gabenbereitung soll man sitzen.“ 

Dort steckt ein sprachlicher Widerspruch. Denn es heißt: Stehen „vom Gabengebet bis zum Ende der Messe“. Und außerdem: „Sitzen bei der Gabenbereitung“. Der Liturgiewissenschaftler Eduard Nagel sagt: „Das Gabengebet schließt die Gabenbereitung ab und gehört noch zu diesem Teil. Also sitzen!“ Vom Gabengebet an stehen heißt daher für ihn: „Nach dem Gabengebet steht man auf.“ Das sei auch sinnvoll, denn dann beginne das Hochgebet.

Nun zur Neuordnung, die in deutscher Übersetzung vorliegt und gültig werden soll, wenn das neue Messbuch eingeführt wird. Darin wird angewiesen: „Die Gläubigen haben zu stehen von Beginn des Gesangs zum Einzug ... sowie von der Einladung „Betet, Brüder und Schwestern“ vor dem Gebet über die Opfergaben bis zum Ende der Messe mit den unten genannten Ausnahmen: ... bei der Bereitung der Gaben zur Darbringung sowie gegebenenfalls nach der Kommunion ...“. Hier also ist es eindeutig: Sitzen nur während der Darbringung der Gaben, stehen ab „Betet, Brüder und Schwestern“. „Wohl, weil das Gabengebet ein Amtsgebet ist“, begründet Nagel die Neuordnung. „Aber es zerreißt die Einheit der Gabenbereitung.“ Das neue Gotteslob (587,5) empfiehlt dies bereits. Aber wohlgemerkt: Die Neuregelung gilt noch nicht. Und das hoch umstrittene neue Messbuch hat Papst Franziskus sowieso gerade „auf Eis gelegt“.

Von Susanne Haverkamp