04.09.2012

Anstoss 36/2012

Nichts für die Ecke!

Ein Spiel lässt die Sehnsucht nach Gott durchschimmern.

Am Beginn unserer RKW gab es ein Vier-Ecken-Spiel. Dabei wird eine Frage gestellt, und dazu werden vier Antwortmöglichkeiten im Raum verteilt. Die Teilnehmer laufen dann in die Ecke, wo die Antwort gezeigt wird, die am Besten auf sie zutrifft oder suchen ihren Platz auch irgendwo dazwischen. Bei mehreren Fragen hintereinander kommt natürlich Bewegung ins Spiel und es bilden sich immer neue Gruppen im Raum. Im Falle des RKW-Starts ging es darum, spielerisch voneinander wahrzunehmen, warum und mit welchen Erwartungen die Kinder gekommen sind. Bei der Frage „Was ist dir bei der RKW wichtig?“ hatten wir folgende Antworten angeboten: Lieder singen; neue Freunde kennenlernen; Gott besser kennenlernen; ein toller Ausflug.
In der „Lieder-Ecke“ sah es sehr übersichtlich aus, etwas mehr Kinder hatten sich Richtung „toller Ausflug“ bewegt. Mehr als die Hälfte verteilte sich auf die beiden Antworten „neue Freunde finden“ und „Gott besser kennenlernen“, wobei die Freunde (nur) einen kleinen Vorsprung hatten. Und das hat mich dann doch überrascht – und danach natürlich echt gefreut. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass so viele direkt zu der Antwort „Gott besser kennenlernen“ gehen würden, sogar fast soviel wie zu den „neuen Freunden“. Unsere RKW-Kinder – katholisch, evangelisch, ungetauft – kommen wirklich nicht nur, weil sie Spaß wollen, sondern auch weil sie neugierig auf Gott sind?!
Gut, das Ergebnis geht sicher ein wenig auf die Auswahl der angebotenen Antworten zurück (es gab auch noch eine zweite Runde zu der Frage). Vielleicht schlug auch der „Reli-Effekt“ ein wenig durch. Aber auch wenn ich einrechne, dass Kinder manchmal die erwünschte „richtige“ Antwort geben, bleibt dieses Bild für mich hoffnungsvoll: Da wollen Menschen mehr von Gott erfahren und freuen sich darauf. Ich glaube, wir sind manchmal in der Gefahr, die Tatsache zu unterschätzen, dass es diese Neugier auf Gott gibt, bei Kindern und ebenso bei Erwachsenen. Gott und Glaube sind auch heute nichts für die hinterste, verstaubte Ecke. Meine Überraschung hat mir das für diesen Augenblick bewusst(er) gemacht, und ich erzähle dieses kleine Erlebnis gern weiter, weil solche Momente Mut machen, die Frohe Botschaft weiterzusagen.
Angela Degenhardt, Gemeindereferentin in Sangerhausen