22.09.2014

Österreichische Firma baut Orgel für Jerusalemer Grabeskirche

Neue Töne für alte Gemäuer

Für Daniel Orth ist es der erste Neubau, sein Kollege Johannes Zander ist erstmals Montageleiter. Der jüngste Auftrag der beiden Orgelbauer gehört wohl "zu den eher spektakulären Einsatzorten": Vier Wochen lang montierten die beiden jungen Deutschen mit drei Kollegen für die österreichische Orgelbaufirma Rieger eine neue Orgel in die Jerusalemer Grabeskirche.

Die neue Orgel in der Kirche der Nationen in Jerusalem: Einzeln werden die Pfeifen ins Prospekt eingesetzt: Johannes Zander (unten) und Daniel Orth (oben) bei der Arbeit. Foto: kna-bild

"Es ist nicht unsere erste Orgel im Heiligen Land", sagt Orth, Lehrling im dritten Jahr bei Rieger im vorarlbergischen Schwarzach. Fast klingt es zu abgeklärt. Eine Orgel an einem Ort zu bauen, "den man sonst nur aus der Bibel kennt", sei schon ein Highlight, fügt Meister Zander hinzu. Beim Zaungästen erregen die beiden Orgelbauer Aufmerksamkeit: Immer wieder halten Grabeskirchenbesucher hinter der aus Bänken und Kisten improvisierten Absperrung rund um den neuen Prospekt inne, fotografieren, wenn Zander und Orth souverän das abenteuerlich wirkende Gerüst neben der franziskanischen Kapelle erklettern.

Mit zwei großen Schiffscontainern wurden die Orgelteile ins Heilige Land gebracht. Vom Wasser ging es weiter auf dem Landweg und mit einmal Umladen nach Jerusalem. Auf Handkarren über das holprige Pflaster der Jerusalemer Altstadt erreichte das Instrument seinen Bestimmungsort. Manche Pfeifen, erzählen die Orgelbauer, haben sie unter dem Arm oder im Rucksack durch die engen Gassen getragen.
 

"Wir gehören schon irgendwie zum Personal"

Die neue Orgel in der Kirche der Nationen in Jerusalem:
Im Vordergrund der Spieltisch aus Olivenholz
aus dem Garten Gethsemane. Foto: kna-bild

Es ist keine Baustelle wie jede andere, und auch wenn sich Zander und Orth auf den speziellen Einsatzort vorbereitet haben, waren alle Schwierigkeiten vorher nicht abzusehen. "Mitunter", sagt Orth, "war es ein Kampf um jedes Bohrloch." Die Geräuschkulisse in der Kirche ist enorm, die Kakophonie und die Gleichzeitigkeit der verschiedenen Konfessionsgruppen sind ungewohnt. Immer wieder fragt ein Besucher die Deutschen nach den Öffnungszeiten oder den Toiletten. "Wir gehören hier irgendwie schon zum Personal", sagt Orth lachend und balanciert die große 16-Fuß-Pfeife vorsichtig zum Gerüst.

Neben den Pilgern und Touristen gibt der Status quo, eine detaillierte Nutzungsordnung der Grabeskirche von 1852, der Arbeit ihren Rhythmus. Bei jeder Prozession einer Mönchsgruppe, bei jedem Gottesdienst ruhen die Arbeiten. Dann packen die beiden Orgelbauer ihre Werkzeuge in den Rucksack und machen sich auf den Weg zur zweiten Baustelle, der neuen Orgel in der Kirche der Nationen am Fuß des Ölbergs. Das Besondere an dem Instrument: Der Spieltisch wurde aus Holz von einem Ölbaum aus dem Garten Gethsemane gefertigt. Ausgesucht hat es ein Rieger-Mitarbeiter.

Am Ölberg geht es ruhiger zu, aber die Besuchermassen stellen das Team auch hier vor Herausforderungen. "Die Menschen kennen einfach keine Grenzen, alles muss weggeschlossen werden", sorgt sich Franziskanerpater Placido um das fast fertige Instrument. Eine "Maria Fernanda" hat sich bereits auf dem Holz der Orgel verewigt. Johannes Zander klopft sorgfältig das Pedal ab, "technische Feinheiten" um Lärmgeräusche zu verringern.

Seit Jahrzehnten setzen die Franziskaner auf die Instrumente aus Österreich, mehr als zehn Rieger-Orgeln stehen inzwischen im Heiligen Land, "jede einzigartig in Gestaltung und Klang", wie die Orgelbauer betonen: "Jede Orgel wird für einen speziellen Raum und eine konkrete Aufgabe gebaut." Die beiden jüngsten Mitglieder Familie, finden Zander und Orth, passen sich gut in den jeweiligen Raum ein.

In anderthalb Wochen kann die "Neue" in der Grabeskirche auch ihre klangliche Qualität beweisen. So lange brauchen die Spezialisten aus Österreich, um sie vor dem ersten Einsatz zu intonieren. "Es ist ein prominenter Ort", sagen die Orgelbauer nicht ohne Stolz, "die Orgel wird von vielen gesehen und gehört werden."

kna