29.09.2016

Beim internationalen ÖkoWorkshop wurde das Projekt „Schöpfungsweg“ ergänzt

Neue Schöpfung aus Altreifen

Neuhausen. Deutsche und polnische Jugendliche beschäftigen sich im Don-Bosco-Haus in Neuhausen mit Ökologie.

Steine stapeln für das „Flussbett“.


Aus einem flachen Graben auf dem  Gelände des Don-Bosco-Hauses in Neuhausen schaufeln Jugendliche Erde. Einige Meter entfernt reichen andere Granitsteine weiter, die in einen Fahrzeughänger gestapelt werden. Kurze Zeit später werden sie im Graben ein Flussbett symbolisieren. Neben dem Jugendhaus sind weitere junge Leute damit beschäftigt, Reifenteile zu bemalen. Die haben kurz zuvor, während des ÖkoWorkshops der dort unlängst stattfand, die Bildungsreferenten bei der Diözesanjugendseelsorge Tobias Banaszkiewicz und Arkadiusz (Arek) Müller aus Altreifen geschnitten. „Wir bauen am Schöpfungsweg weiter. Der heilige Franziskus hat in seinem Sonnengesang Gott dafür gepriesen, wie er die Welt geschaffen hat mit allen Elementen, Wind, Wasser, Feuer“, sagt Arek Müller. „Im vorigen Jahr haben wir mit Sonne, Mond und Sternen angefangen.  Daraus wurde die Sonnenuhr. In diesem Jahr gehen wir weiter, haben zwei Projekte in Angriff genommen: Zum einen das Wasser. Dies wird durch den Spreewaldkahn symbolisiert, der in einem ausgetrocknenen Flussbett steht.“ Und die Raupe, die aus den Reifenteilen gebaut wird. „In der letzten Strophe spricht der heilige Franziskus davon, dass im Tod alles seinen Anfang und sein Ende wiederfindet, alles der Mutter Erde zurückgegeben wird. Wir haben uns überlegt, dass die Raupe dafür die passende  Interpretation ist.“ Da es ein Öko-Workshop ist, wurde Recycling-Material verwendet. Der Kahn ist ein ausrangierter aus dem Spreewald. „Dies soll gerade Jugendlichen immer wieder die Nachhaltigkeit vor Augen führen. Nicht nur denen, die hier mitarbeiten, sondern auch denen, die hierher kommen“, sagt Arek Müller.
Dass es Kurse wie diesen und weitere polnisch-deutsche Kontakte gibt, ist auch Anna Traczyk aus Zielona Gora zu verdanken. „Vor einigen Jahren wurde ich gefragt, ob ich gern eine Partnerschaft mit einer katholischen Organisation in Deutschland machen möchte. Ich schrieb viele Briefe, an Schulen, an die Botschaft. Ich konnte jedoch zunächst keinen Partner finden. Dann habe ich Roland Elsner kennengelernt“, sagt sie. Mit Pfarrer Elsner hatte sie den Partner gefunden, der gemeinsam mit dem BDKJ Aktionen startete wie „Gesicht zeigen“ oder die Weihnachts-Singewoche. Die Lehrerin sagt: „Alles was wir international machen, sollte zur Völkerverständigung beitragen, Barrieren abbauen. Ich sehnte mich danach, dass die Leute sich wirklich kennenlernen und nicht nur von fern, über Filme, Literatur oder die nicht so guten Geschichte.“

Beim internationalen ÖkoWorkshop im und am Don-Bosco-Haus in Neuhausen gestalten polnische und deutsche Jugendliche gemeinsam eine Strophe aus dem Sonnengesang des heiligen Franziskus. Fotos: Raphael Schmidt

Tamara Murzynska ist das erste Mal in Neuhausen. Die 14jährige sagt: „Hier lernt man Leute kennen, Sprache und Kultur. Schön wäre es, wenn es weltweit keine Grenzen mehr gäbe, nicht nur innerhalb der EU.“ Zusanna Wojtowicz ist 16 und das zweite Mal beim Ökoworkshop. „Sie wird polnisch sprechen“, sagt Anna Traczyk, die wie bei Tamara übersetzt. „Meistens kommunizieren wir über Körpersprache, so beim Theaterspiel, bei der Legende über den Spreewald. Dies lief in beiden Sprachen – und pantomimisch.“ Zusanna findet es „spannend, andere Länder und Traditionen kennenzulernen“. Oskar Mielke aus Görlitz versteht die beiden Mädchen auch ohne die Übersetzerin. Seine Mutter kommt aus Polen. „Von daher kenne ich polnische Traditionen ebenso wie deutsche“, sagt er. Simon Roskos aus  Cottbus meint: „Innerhalb unserer Gruppe ist keine Grenze vorhanden. Wir sind alles Jugendliche mit etwa den gleichen Interessen.“

Alt-Reifen und Teile davon werden angemalt, um danach zu einer „Raupe“ zu werden.

Neben den Arbeiten am Projekt Sonnengesang gab es einen Vortrag zur Wasserwirtschaft, erzählte der Revierförster etwas über den Wald, auch als Ressource, zur Pflege, zur Nachhaltigkeit. Über die Bewahrung der Schöpfung zu informieren – und was dafür getan werden kann – ist Arek Müller sehr wichtig. „Wir wollen das, was wir für den Umweltschutz tun können, in einen internationalen Vergleich stellen. Das Verständnis, ist unterschiedlich, das wird bereits beim Pfandsystem deutlich.“

Der nächste  Ökoworkshop ist vom 31. 7. bis 4. 8. 2017

Von Raphael Schmidt