04.09.2012

„Offen für Gottes Wirken“: Bistumswallfahrt nach Neuzelle

Neue Erkenntnisse dank kleiner Maus

Eigentlich ist eine Wallfahrt ja ein spirituelles Ereignis. Dass es dabei auch mal lustig zugehen kann, zeigten die Görlitzer Katholiken bei ihrer Bistumswallfahrt in Neuzelle.

Nach der Predigt zeigen die Kinder den großen Wallfahrern, womit sie sich in der Kinderkirche beschäftigt haben. Fotos: Matthias Holluba


Neuzelle. Mancher Kirchenvorstand im Bistum Görlitz mag sich schon gewundert haben, warum ein Gemeindehaus-Neubau so schleppend vorangeht. Die Gründe dafür erfuhr, wer in diesem Jahr in Neuzelle an der Wallfahrtsstunde teilnahm. Mithilfe der bekannten TV-Kindersendung mit Maus und Elefant wurde dort humorvoll und  mit einem Augenzwinkern anhand eines fiktiven Baubeschlusses aus einer Gemeinde die Arbeitsweise des Ordinariatas erklärt. Da vergingen dann schon einmal einige Wochen, eher der entsprechende Brief von einer Abteilung an die nächste weitergeleitet wurde. Mitunter gab es dafür auch sachliche Gründe. So hatte der Kirchenvorstand seinen Beschluss mit grüner Farbe besiegelt. Vorgeschrieben dafür ist aber blau. Mit grün siegeln darf nur das Ordinariat. Und trägt ein Schreiben gar ein rotes Siegel, dann stammt dieses vom Bischof höchstpersönlich.
Vorbereitet hat die Wallfahrtsstunde „Die Maus im Ordi“ ein Görlitzer Hauskreis, und ein großer Teil der Ordinariatsmitarbeiter hat mitgespielt – nämlich sich selbst. Besonders intensiv dürften Barbara Köhler und Alfred Hoffmann „Die Maus im Ordi“ verfolgt haben. Schließlich ist Barbara Köhler als Seelsorgeamtsleiterin relativ neu in der Bistumsleitung. Und Alfred Hoffmann hatte am Vortag als neuer Generalvikar die Leitung des Ordinariates von Hubertus Zomack übernommen (siehe Bericht unten). Beide stellte der Bischof den Wallfahrern vor.

Abschluss der Wallfahrtsstunde: Bischof Ipolt stellt den neuen Generalvikar Alfred Hoffmann und Seelsorgeamtsleiterin Barbara Köhler den Wallfahrern vor.

Neben dem Humor der Wallfahrtsstunde, der Zeit für Begegnung und Gespräch, den vielen Informationen an den verschiedenen Ständen, Angeboten für Kinder und Musikliebhaber, bot der Wallfahrtstag vor allem Anregungen für das eigene geistliche Leben. „Offen für Gottes Wirken“ – so hieß das Wallfahrtsthema. Und was das im Alltag konkret heißen kann, erklärte der Bischof in der Predigt. „Wenn ein Mensch sich Gott öffnet, muss er damit rechnen, dass Gott diese Offenheit ernst nimmt.“ Das könne dann heißen, die eigenen Lebensprioritäten angesichts der Prioritäten Gottes zu verändern. Praktisch werde das nicht nur in alltäglichen Fragen, sondern auch bei der Frage der Berufswahl oder wenn Eltern erfahren, dass ihr Kind behindert zur Welt kommen wird. Wer offen ist für Gottes Wirken, sei eingeladen, mit Gott mitzuwirken, sagte der Bischof weiter. „,Kannst du mir helfen?‘, fragt Gott, beispielsweise wenn es um den Schutz des Lebens und von Ehe und Familie geht.“ Gestärkt dafür werde der Christ durch die Sakramente.  
Ein Mensch, der offen für Gottes Wirken war, ist die neue Görlitzer Bistumsselige Hildegard Burjan. Im Zwischenprogramm der Wallfahrt stellte Sr. Martina Theiner, die zu der von Hildegard Burjan gegründeten Ordensgemeinschaft Caritas Socialis gehört, Leben und Werk der Seligen vor. Caritaspräsident Peter Neher, der aus Freiburg nach Neuzelle gekommen war, sprach über die neue Selige während der Abschlussandacht. Er erinnerte an den Satz von Hildegard Burjan „Zu wem Gott spricht, der schweigt“. Der Christ wisse, wann es recht ist, von Gott zu reden oder zu schweigen und nur die Liebe sprechen zu lassen, zitierte der Caritas-Präsident Papst Benedikt XVI. Die Liebe als „Tatsprache des Glaubens“ erschöpfe sich aber nicht nur in der Linderung der Not und in Hilfe zur Selbsthilfe. Sie schließe – und so habe es auch Hildegard Burjan getan – politisches Handeln und Einmischung aus der Kraft des Glaubens ein.

Matthias Holluba