21.09.2017

120 Jahre Elisabethkrankenhaus Halle

Mut zu christlichem Anspruch

Vor 120 Jahren eröffneten die Grauen Schwestern in Halle ein Krankenhaus, sechs Jahre zuvor waren sie in die Saalestadt gekommen. Mit Festtagen wurde jetzt daran erinnert. Verantwortliche und Mitarbeiter erhielten viel Ermutigung.


Schauspieler Hilmar Eichhorn trug zur Erheiterung beim Festakt humorvoll mehrere Episoden aus der Geschichte des Krankenhauses vor. | Foto: Eckhard Pohl


Am 8. September 1897 weihten die Schwestern von der heiligen Elisabeth, die 1891 nach Halle gekommen waren, in der Saalestadt ein Krankenhaus mit 75 Betten ein. Aus diesen Anfängen und im Anliegen, die medizinische und pflegerische Versorgung voranzubringen, entstand über die Jahre das zweitgrößte Krankenhaus in Halle. An den zwei Standorten des Krankenhauses St. Elisabeth und St. Barbara mit seinen zwölf Kliniken und einem angeschlossenen Medizinischen Versorgungszentrum arbeiten heute rund 1300 Menschen. Anlässlich des 120-jährigen Krankenhaus-Bestehens waren am 8./9. September Gäste, Patienten, Mitarbeiter, aber auch alle Bürger der Region zu einer Reihe von Veranstaltungen eingeladen.

Krankheit kränkt den Menschen ganzheitlich
Unter dem Motto „Farben des Lebens“ fand zum Auftakt ein von den verschiedenen in der Klinikseelsorge tätigen Konfessionen getragener Dankgottesdienst statt. „Zur Wahrheit menschlichen Daseins gehört, dass unser Leben endlich, begrenzt, hinfällig und vergänglich ist“, erinnerte Bischof Gerhard Feige in seiner Predigt. Krankheit sei eine Krise, ein kranker Mensch sei in seiner ganzen Existenz „gekränkt“. Krankheit biete aber auch die Chance, gestärkt aus der Situation hervorzugehen. Die Jünger Jesu hätten dessen Auftrag „Heilt Kranke!“ von Anfang an sehr ernst genommen, so der Bischof. In dieser Traditon stehe das Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara. „Seinen Stifterinnen gemäß will es sich weiterhin um ein christliches Profil und einen heilsamen Geist mühen.“ Im Spannungsfeld zwischen therapeutischen Bemühen und marktwirtschaftlichen Erfordernissen müsse der Patient  „nicht nur ein Optimum an Therapie und Pflege“, sondern auch „an menschlicher Zuwendung … Wohlwollen und Geborgenheit“ erfahren und sich als Person angenommen fühlen können. Für die Christlichkeit eines Krankenhauses spreche zudem, ob unter den Mitarbeitenden ein kollegialer Geist herrscht, so der Bischof. Insgesamt müsse sich stets darum gemüht werden, „aus Glaube und Hoffnung zu leben und der Liebe ein Gesicht zu geben“.

Krankenhaus: ein Lernort des Lebens und Glaubens
Der Vorsitzende des Katholischen Krankenhausverbandes Deutschland und Osnabrücker Generalvikar Theo Paul knüpfte beim Festakt im Freylinghausen-Saal der Franckeschen Stiftungen an die Worte des Bischofs an. Angesichts von Anfeindungen und Stimmen, die die Aufgabe der kirchlichen Häuser fordern, betonte Paul: „Für mich sind Krankenhäuser Lernorte des Lebens und Glaubens. In Solidarität mit den Menschen in der Freude, in der Hoffung, der Trauer und der Angst zu leben, ist für eine Kirche in der Welt von heute nirgends tiefer und ernsthafter möglich als in Einrichtungen, in denen sich Angst und Hoffnung der Menschen so bündeln, wie in unseren Krankenhäusern.“
Er erinnerte daran, dass schon im Gleichnis vom barmherzigen Samariter Geld bei der Versorgung durch den Wirt eine Rolle spielte. Für ein kirchliches Krankenhaus dürfe Krankenpflege aber „nicht Kundenpflege“ sein. Mit der kirchlichen Trägerschaft verbinde sich „ein (Selbst-)Anspruch bezüglich des Evangeliums“. So gelte es „Medizin, Ökonomie und Kirchlichkeit miteinander zu verbinden“. Die Kliniken müssten zudem stets zum Lernen bereit sein und eine rege Kommunikation unter den Mitarbeitern fördern. Angesichts der Tatsache, dass nicht wenige Mitarbeiter den christlichen Glauben nicht voll teilen, ermutigte er die Christen zu einer einladenden Haltung.
Die Provinzoberin der Grauen Schwestern und Vorstandsvorsitzende des Elisabeth-Vinzenz-Verbundes, Dominika Kinder, ermutigte Hausleitung und Mitarbeitende, gebotene, notwendige neue Wege zu gehen, aber auch die von den Schwestern gelegten Grundlagen fortzuführen. Auch wenn heute keine Grauen Schwestern mehr in der Klinik tätig sein könnten, sei es möglich, im Geist der Gründerinnen Kranken und Hilfebedürftigen in ihrer ganzheitlichen Situation mit ihrer spirituellen und ihrer sozialen Bezogenheit zu begegnen und ihnen ohne Unterschied des Standes Heilung und Betreuung zukommen zu lassen.
Grußworte überbrachte Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD). Am Ende des Festakts wurde das Buch „Kreuz & Rose“ zur 120-jährigen Geschichte des Krankenhauses vorgestellt. Am Abend lockte dann die Sinfonische Rockmesse in D von Andreas Mücksch mehrere 100 Zuhörer in die benachbarte Moritzkirche. Am Samstag kamen rund 3000 Bürger zum Tag der offenen Tür in das Krankenhaus.

Von Eckhard Pohl