28.03.2016

Anfrage

Muss im Tod nicht auch die Seele sterben?

Müssen im Tod nicht Körper und Seele sterben, um aufzuerstehen? Wenn der Mensch nicht vollständig stirbt, wie kann man dann von Auferstehung reden? W. S., Markkleeberg

Eine diffizile Frage, mit der Sie teilweise recht haben. Die Antwort hängt davon ab, was man unter Seele versteht. Schaut man in die Bibel, so bezeichnen das hebräische wie auch das griechische Wort zunächst den Atem und damit das, was einen Körper lebendig macht. Weicht das Leben aus dem Körper, verlässt ihn die Seele.

Aus dieser biblischen Vorstellung und mit Hilfe griechischer Philosophie, die Körper und Seele stärker unterschieden dachte, entwickelte das Christentum seine Vorstellungen weiter. Medizinisch-physiologisch konnte eine Seele bisher nicht nachgewiesen werden. Die Psychologie spricht statt von „Seele“ von der Psyche und meint damit Unterschiedliches.

Fest steht: Der Körper, der im Laufe des Lebens mehrfach seine biologische Substanz ausgetauscht hat, zerfällt mit dem Tod. Aus ihm wird eine Leiche, die zu Wasser, Asche und Staub zerfällt. Was aber passiert mit dem, was mich als Person, mein Leben und meine Beziehungen ausmacht? Da meint Seele die Identität eines Menschen – egal, wie alt er ist, ob wach oder schlafend, als Embryo, Kind, Greis oder Toter.

Denkt man Leib und Seele zu sehr getrennt, so als bestünde der Mensch aus zwei Teilen, dann haben Sie recht: der Mensch bräuchte nicht von Gott auferweckt zu werden; seine Seele ist ja unsterblich.

Verbunden damit ist die Frage eines anderen Lesers, ob der Mensch zunächst tot ist und erst zum Jüngsten Gericht erweckt wird oder ob eine unsterbliche Seele sofort nach dem Ableben gerichtet wird.

In der Ewigkeit sind Raum und Zeit aufgehoben, ein „zuerst“, „später“ gibt es nicht. Wir haben aber die Hoffnung, dass die Seele, also das, was den Menschen individuell ausmacht, „bei Christus“ ist. Da wird dem Menschen manches klar, wird quasi seine Seele geläutert. 

Am „Ende der Welt“, am „Jüngsten Tag“ erfolgt die „Auferstehung der Toten“ mit Seele und Leib. „Geist und Materie bilden eine ganz neue Einheit“, schrieb Joseph Ratzinger dazu. Dann erst, so Paulus, schauen wir von Angesicht zu Angesicht.

Von Roland Juchem