24.08.2017

Anstoss 34/2017

Mit leichtem Gepäck

Zu Hause angekommen stelle ich meinen Rucksack doch einmal auf die Waage. Eigentlich war nur darin, was ich am Tag zu brauchen meinte. Trotzdem schien er mir etwas schwer zu sein.


Laut Waage habe ich in den letzten Tagen bei der Fußwallfahrt von Magdeburg ins Klüschen Hagis wohl neun bis zehn Kilo mit mir getragen. Ich bin überrascht, kann es mir nicht recht erklären und letzlich habe ich meinen Rucksack ganz gut tragen können.
Beim Auspacken versuche ich, herauszufinden, was vielleicht doch nicht nötig war von all den wichtigen Sachen: die gut zwei Liter Tee müssen sein, wurden aber auch im Laufe des Tages leichter. Regensachen finden sich dafür im Doppelpack. Ich konnte mich nicht entscheiden, was ich lieber mag: Cape oder Jacke. Liederheft, Flöten- und Gitarrennoten dazu, Schreibzeug, vielleicht ... nein so lang war die Mittagspause dann doch nie. Ein Paar Socken für den Fall nasser Füße, ein Pullover zum Drüberziehen falls es kalt wird, ein kleines Erste-Hilfe-Päckchen, etwas Proviant ... schon Dinge, die man dabei haben sollte, wenn das Tagesziel etwa 25 Kilometer entfernt liegt.
Dennoch geht mir ein Gedanke aus der Predigt am Sonntagmorgen in Dingelstädt nach: Was tragen wir alles mit uns herum, nur zur Sicherheit? Es könnte ja regnen, es könnte ja ... vielleicht habe ich doch Zeit (und Kraft) dies oder jenes zu tun. Ich wollte gern für alle Fälle sicher sein.
Für alle Fälle gewappnet sein – manchmal geht das, aber grundsätzlich ist es nicht möglich. An diesem Morgen hören wir von Petrus, der sich entgegen aller Sicherheitslogik aufs Wasser wagt, um Jesus entgegen zu gehen. In diesem Augenblick „ohne Gepäck“, ohne Vorbehalte, weil es Jesus ist, der ihn ruft. Welch eine Unvernunft! Doch solange er auf Jesus schaut, trägt das Wasser. Erst als er den Blick abwendet, bekommt er Angst und beginnt unterzugehen. Doch Jesus ist da, zieht ihn heraus, bringt ihn ins sichere Boot. Petrus hat zu Recht auf diese Sicherheit vertraut, ohne zuvor darüber nachzudenken.
Natürlich werden wir in der Regel nicht unüberlegt durchs Leben und auf Pilgerwege gehen. Wir werden normalerweise nicht leichtfertig in irgendwelche Risiken stolpern. Die Frage bleibt, was wir mit uns herumtragen, an welche Sicherheiten wir uns klammern, worauf wir vertrauen – darüber lohnt es ab und an nachzudenken. Denn letztlich „reist es sich besser mit leichtem Gepäck“.

Angela Degenhardt, Sangerhausen