13.08.2015

Anstoß 33/2015

Mit Leib und Seele

„Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.“ Viele Menschen lassen es sich im Urlaub so richtig gut gehen. Die Waage verstaubt in einer Ecke und auch der Wecker macht mal Pause. Es geht darum, sich einmal richtig zu erholen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen.

Pfarrer Marko DutschkeWer denkt da schon daran, dass die Kirche an diesem Sonntag eines ihrer großen Feste feiert, in dem es übrigens auch um Leib und Seele geht? Dabei ist Mariä Aufnahme in den Himmel, wie es ganz genau heißt, ein Fest mit Tradition. Seine Wurzeln reichen bis ins 5. Jahrhundert zurück. Der Legende nach sollen die Jünger Jesu im leeren Grab Marias nur noch Rosenblüten und Kräuter vorgefunden haben. Deshalb werden an diesem Tag in volkskirchlichen Gegenden Kräuter gesegnet, die dann im Haus oder im Stall aufgehängt werden.
Mariä Himmelfahrt gehört zu den kirchlichen Festen, die mir wichtig sind. Denn es geht im Grunde ja nicht um die Frage, ob da ein Grab leer war oder nicht, sondern darum, was wir vom Himmel zu erwarten haben und darum, wer wir sind.
Dass nach unserem Tod etwas kommt, glauben weit mehr Menschen als am Sonntag in die Kirche gehen. Die einen glauben an Seelenwanderung, andere an eine große Weltseele, in die wir mit unserem Tod eintauchen, und wieder andere stellen sich den Himmel wie einen unbefristeten Sommerurlaub auf den Malediven vor. Mariä Himmelfahrt ist für mich ein Fest, bei dem wir einen Blick in die christliche Vorstellung vom Himmel werfen dürfen.
In Rom feiert man Mariä Himmelfahrt am besten in Santa Maria Maggiore, der großen Marienbasilika im Herzen Roms. Dort gibt es im Apsismosaik eine wunderschöne Darstellung von der Krönung Mariens. Die Gottesmutter sitzt neben ihrem Sohn auf dem Himmelsthron und wird von ihm gekrönt. So wird deutlich: Maria gehört mit Leib und Seele in den Himmel. Oder anders gesagt: Es ist Maria, die in den Himmel kommt, nicht nur ihre Seele oder etwa ihre Lebensenergie. Und ich glaube, das gilt für alle Menschen. Am Ende werde ich immer noch ich sein und du immer noch du, weil Gott Leib und Seele zusammenhält. Wenn ich mich frage, wie das geschehen soll, geht es mir wie Maria bei der Verkündigung: Ich weiß nicht wie, aber ich verlasse mich da ganz auf Gott.
Darin liegt der entscheidende Unterschied. Weil der Mensch mit Leib und Seele in den Himmel gehört und der Himmel immer nur einen Menschen weit von uns entfernt ist, kämpfen wir für eine Welt, die menschlich bleibt vom ersten bis zum letzten Atemzug. In der Kinder willkommen sind und alte Menschen kein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn sie ein hohes Alter erreichen und auf Hilfe angewiesen sind. Wenn es soweit ist, werde ich im Himmel meine Seele baumeln lassen. Und was glauben Sie?

Von Pfarrer Marko Dutschke, Cottbus