11.06.2014

Anstoß 24/2014

Mit ganzer Kraft oder ausgebremst?

Vor zwei Wochen durfte ich mit einer Gruppe von jungen Leuten aus unserem Bistum Magdeburg als Helferin beim Katholikentag in Regensburg dabei sein.

Wir waren im Zentrum Ökumene eingeteilt: Veranstaltungen absichern, das Ökumene-Café betreiben einschließlich Kuchen und Crêpes backen, für die Café-Gäste musizieren, mit dem Konferenzfahrrad für das Ökumene-Projekt „Mit Luther zum Papst“ im Jahr 2016 werben und manches mehr stand für die Jugendlichen im „Arbeitsprogramm“. Jeweils sechs Stunden Dienst sollten es täglich sein und wenn Not am Mann war, wurde spontan noch eine zweite Schicht angehängt. Was die Jugendlichen, denen heute nicht selten mangelndes Engagement und Desinteresse am Gemeinwesen – auch am Gemeindeleben – vorgeworfen wird, da geleistet haben, ist absolut beeindruckend!!!
Dazu sollte natürlich auch das eigentliche Programm nicht zu kurz kommen. Ob Gottesdienst oder Konzert, Mitmach-Workshop oder Podium mit Kanzlerin und Präsidenten: Kirche bunt und vielfältig, weit und offen zu erleben, nicht vereinzelt zu sein, das war den Einsatz wert.
Dass die Kirchen-Erfahrung eines Katholikentages eine Ausnahme-Erfahrung, sozusagen eine Hoch-Zeit ist, war dabei allen klar. Dennoch kam sehr deutlich die Sehnsucht zur Sprache, manches davon im Alltag zu erleben: ein wenig mehr Schwung im Gottesdienst; eine größere Offenheit und Weite, die nicht (ab)wertet, wenn zum Beispiel einer nicht jeden Sonntag im Gottesdienst erscheint, sondern sich über jeden freut, der jeweils da ist; mehr Zutrauen, Verantwortung zu übernehmen und etwas bewegen zu können.
Die konkreten Kirchen-Erfahrungen der Jugendlichen unserer Gruppe, sind sicher sehr unterschiedlich. Mancher erlebt in seiner Gemeinde schon etwas, wovon andere noch träumen. Berührt hat mich aber, das deutliche Empfinden der jungen Leute dafür, dass sie den Erwartungen der älteren Generationen nicht entsprechen. Erwartungen, die oft unausgesprochen, aber dennoch sehr präsent sind und an die sich Wertungen knüpfen. Diese Spannung bremst letztlich manche aus, die ihre Kraft und Ideen dann anderswo einbringen.
Bei allem, was schon lebendig ist und gelingt, bleibt es notwendig, sich immer wieder den Herausforderungen durch die jungen Menschen zu stellen, damit sie sich mit dem beim Katholikentag in Regensburg gezeigten Elan auch im Alltag willkommen wissen – so wie sie sind! Denn auch unsere Söhne und Töchter sind Propheten (Joel 3,1). Möglicherweise anders als wir es denken, sind sie die Zukunft der Kirche!
Von Angela Degenhardt, Sangerhausen