24.07.2012

Anstoss 30/2012

Mein ist die Rache, spricht der Herr

Wieder geht ein Erschrecken durch die Nachrichten: ein Amoklauf im Kino, mitten unter Familien, die eine gemeinsame Filmnacht verbringen wollten.

Es ist immer wieder schockierend, was aus Menschenherzen Schlimmes hervorkommen kann, auch wenn wir es im Grunde aus ähnlichen Nachrichten und aus der Geschichte wissen (und auch angesichts unseres Wissens, wie viel Schlimmes auf der Welt geschieht und uns weit weniger schockiert).
Die Versuchung ist groß, ein Urteil zu fällen und nach Vergeltung oder gar Rache zu rufen. Je näher Menschen solchen Geschehnissen sind, umso verständlicher sind solche Gefühle. Zugleich ist die Ohnmacht da, weil klar ist, dass man die Toten mit keinem Todesurteil und keiner Rache zurück holen kann. Kein Mensch kann das Leid ungeschehen machen. Im Brief an die Römer mahnt der Apostel Paulus: Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden! Rächt euch nicht selber, liebe Brüder, sondern lasst Raum für den Zorn (Gottes); denn in der Schrift steht: Mein ist die Rache, ich werde vergelten, spricht der Herr. (12,18f).
So sehr uns neben der Betroffenheit auch Zorn und Wut auf Tat und Täter bewegen mögen: wie schwer das Frieden-Halten fällt, weiß jeder Mensch aus eigener Erfahrung. Selbst wenn es nach außen gelingen mag, Frieden zu halten, bleibt der Unfriede im Herzen trotzdem oft schwer zu bändigen. Dazu kommt die herausfordernde Aufgabe, die Kinder zu lehren, wie man Frieden untereinander halten und mit dem inneren Unfrieden umgehen kann. Ich glaube, gerade dieser innere Unfriede ist nicht zu unterschätzen, wenn man die Frage nach der Ursache solcher schrecklichen Taten stellt.
Das Urteil über die Menschen steht uns jedoch in keinem Fall zu. Wir sollen uns, so Paulus, darauf verlassen, dass Gott für Ausgleich sorgen wird, und er ruft uns im Geist Jesu zu: Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!
Wenn ich diese Worte lese, ist für mich auch die Frage groß, warum es den Menschen im doch christlichen Amerika, so schwer fällt, den Zugang zu Waffen zu erschweren. Wir Menschen stehen uns oft unglaublich selbst im Weg, in unserem Bemühen um Frieden und Gerechtigkeit. Die Versuchung, sich nur allein auf die eigenen Mittel und Kräfte zu verlassen, fasziniert uns. Paulus dagegen ist einer, der erfahren hat, dass Gottes Kraft auch und gerade in den Schwachen mächtig ist – ein Beispiel das Mut macht!
Angela Degenhardt, Gemeindereferentin in Sangerhausen