25.08.2013

Anstoss 34/2013

„Maria statt Scharia“

Als ich vor ein paar Wochen aus dem Urlaub nach Hause gekommen bin, habe ich mich noch gewundert, wie wenig Wahlwerbung in Deutschland zu sehen ist. Das hat sich inzwischen geändert, die heiße Phase vor der Bundestagswahl hat längst begonnen.

Überall werben Plakate um die Gunst der Wähler. Die einen setzen ganz auf die Überzeugungskraft bekannter Gesichter, aber manchmal frage ich mich, für welche Inhalte diese Gesichter eigentlich stehen. Andere haben sich für Inhalte entschieden, aber auch hier frage ich mich manchmal, wer diese Inhalte nach der Wahl verwirklichen soll.

Natürlich ist auch die NPD wieder mit von der Partie. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man fast darüber lachen. Auf einem Plakat der NPD ist im Hintergrund eine Frau mit Kopftuch zu sehen und vorn ein blondes, deutsches Mädel. Darunter steht mit großen Buchstaben: „Maria statt Scharia“. Ich schwanke zwischen Wut und Empörung, wenn ich sehe, wie offensichtlich diese Partei mit ihrer Fremdenfeindlichkeit wirbt. Auf der anderen Seite muss ich lachen, weil die Kameraden selbst dabei noch das Thema verfehlen. Maria war beim besten Willen kein deutsches Mädel. Der Name gehört zu einer jüdischen Frau, die aller Wahrscheinlichkeit nach dunkle Haare hatte und mit großer Sicherheit ein Kopftuch getragen hat.

Dass sich ausgerechnet die Braunen der Mutter Gottes bedienen, um Wählerstimmen einzufangen, nehme ich persönlich und protestiere. Dass sich unsere Gesellschaft verändert, dass die Zahl der Christen sinkt und die Zahl der Kopftücher steigt, ist nicht zu übersehen. Darum aber aus jedem Kopftuch einen fundamentalen Islamisten zu machen, ist schlicht und ergreifend dumm.

Die eigentlich spannende Frage ist doch, warum immer mehr Menschen in Deutschland und Europa dem Glauben ihrer Väter den Rücken kehren. Sind die Muslime dafür verantwortlich, weil sie an ihrem Glauben festhalten? Ich weiß, darauf gibt es keine einfache Antwort. Aber ich bin sicher, dass die Schuld nicht bei den anderen zu suchen ist.

Dazu passt ein Wort Jesu, dass wir am vergangenen Sonntag im Gottesdienst gehört haben. Jesus sagt zu den Jüngern: „Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, ich sage euch, nicht Frieden, sondern Spaltung.“ Um dieses Wort drücken wir uns gern, denn es passt so wenig zum versöhnlichen Jesus, der für jeden ein gutes Wort hat. Aber es passt zu der Frage, die das Plakat der NPD aufwirft. Jesus verlangt von seinen Jüngern, für den Glauben zu streiten, ihn nicht nur vor den anderen, sondern auch vor sich selbst zu verantworten. Wir kämpfen für sichere Arbeitsplätze, die Rechte der Frauen und die Bewahrung der Schöpfung. Wann haben wir eigentlich aufgehört, für unseren Glauben zu kämpfen?

Pfarrer Marko Dutzschke, Cottbus

Kommentare

<p>Ich habe bestimmt nichts mit der NPD am Hut. Aber es ist schon sehr seltsam, wenn ein Plakat, dass GEGEN die Scharia ist, als fremdenfeindlich bezeichnet wird. Ja, auch ich fürchte mich sehr vor der zunehmenden Islamisierung (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=LW_yt3DqIiw" target="_blank">www.youtube.com/watch?v=LW_yt3DqIiw</a>). Wo geht unser Europa hin?</p>

<p>Manche kapieren es erst, wenn ihnen als Ungläubige die Kehle durchgeschnitten wurde.</p>