10.09.2011

Anstoss 30/2011

Mais wird anderswo gebraucht

Auf den Feldern steht meterhoch der Mais und die leuchtenden Sonnenblumen strecken ihre Köpfe der Sonne entgegen.

Mir fällt eine Stelle aus dem Buch Genesis ein, während mein Auto an endlosen Feldern vorbeirollt: „Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Pflanzen mit samenhaltigen Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen.“ (Genesis 1,29). Und ich denke daran, dass weltweit immer mehr Mais und Gerste zur Produktion von Biosprit verwandt wird. Es ist noch gar nicht lange her, als die Entscheidung der EU, einen Teil des Treibstoffs durch Biotreibstoffe zu ersetzen, als Erfolg einer nachhaltigen grünen Politik gefeiert wurde. Weltweit soll der Anteil an Biosprit in den nächsten Jahren auf bis zu 20 Prozent gesteigert werden. Wie viele Nahrungsmittel dafür vernichtet werden, ist unvorstellbar.
An jeder Tankstelle wurden wir aufgefordert, den neuen „grünen“ Kraftstoff zu tanken. Doch der Erfolg blieb aus. Viele Autofahrer verzichteten aus Sorge um ihr Auto auf den billigeren Biosprit. Selbst als einige Tankstellen kein Super mehr vorrätig hatten, blieb E10 ein Ladenhüter. Mit Blick auf aktuelle Meldungen über zweifelhafte Biobilanzen und einen Anstieg klimaschädlicher CO 2-Emissionen ist das eine gute Nachricht. Nicht überall, wo Bio draufsteht, ist eben auch Bio drin. Dafür brauchte Otto Normalverbraucher nicht erst die hieb- und stichfesten Resultate der Wissenschaft. Gesunder Menschenverstand reichte aus, um das Problem zu erkennen. Während Milliarden Menschen Hunger leiden, sollen wir Lebensmittel in Größenordnungen durch den Auspuff jagen? In der Bibel steht, wir sollen uns die Erde unterwerfen und beherrschen. Immer wieder haben Menschen diese Stelle aus der Heiligen Schrift für ihre Zwecke missbraucht. Was die Pflanzenwelt angeht, gibt es nicht viel falsch zu verstehen: „Euch sollen sie zur Nahrung dienen.“
Die Verwendung von Mais in der Produktion von Biosprit treibt jetzt schon die Preise für dieses lebensnotwendige Nahrungsmittel in die Höhe. Dass man die Nachhaltigkeit der Biokraftstoffproduktion per Gesetz sichern kann, wage ich zu bezweifeln. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Es gehört Größe dazu, einen Fehler einzugestehen und zu beheben. Leider sehe ich niemanden, dem ich diese Größe zutrauen würde. Zu groß scheint die Angst zu sein, bei der nächsten Wahl für eine mutige Entscheidung bestraft zu werden. Mutige Menschen müssen leider um ihre politische Zukunft fürchten. Dafür werden andere Menschen um ihr Leben fürchten müssen, wenn wir unsere Pläne weiter verfolgen.
Im Kino habe ich vor ein paar Tagen den neuen „Harry Potter“ gesehen. Der Film war gut, nur das Popcorn wollte mir nicht schmecken. Mais wird anderswo gebraucht.
Kaplan Marko Dutzschke, Cottbus