11.04.2012

Anstoss 15/2012

Lust auf Leben

„Lust auf Leben, heute spür ich dich, heut lass ich mich ganz in deine ausgestreckten Arme fallen.“ So beginnt ein Lied von Kathi Stimmer-Salzeder, das mich seit einigen Tagen begleitet.

Dieses Lied klingt in Gedanken mit, als eine Einladung, lebendig(er) zu werden, sich dem Leben zu öffnen, um das neue Leben von Ostern zu feiern. Es ist kein eigentliches Osterlied, aber ein österliches schon.
Das Lied geht weiter mit der Aufforderung, loszulassen, was hinter einem liegt und ganz im Jetzt, in der Gegenwart zu leben; da wo ich gerade bin, tatsächlich zu sein, denn nur im Jetzt ist erfülltes Leben zu erfahren. Nur im Jetzt kann ich  lebendig sein: die Zukunft ist noch nicht, das Vergangene ist Erinnerung geworden. Sicher kann die Erinnerung an erfüllte, lebendige Zeiten des Lebens auf Durststrecken Über-leben helfen – aber sie ist nicht mehr das Leben selbst. Sie hält nur die Hoffnung wach, dass es wieder lebendiges Leben geben wird.
Ich erinnere mich an eine Osterpredigt, in der es sinngemäß hieß: Wenn wir die Erfahrung von Auferstehung nicht im eigenen Leben, hier und jetzt entdecken, würden wir es einst schwer haben, mit der Auferstehung aus unserem Tod ...
Spuren der Auferstehung, von Lebendig-werden, im eigenen Leben zu erkennen – der Weg dahin kann sich verbinden mit dem Versuch, sich “in die ausgestreckten Arme des Lebens“ fallen zu lassen, indem ich offen bin für das, was der Tag bringt oder auch indem ich mir für den Tag bewusst etwas vornehme, was mir hilft die „Lust auf Leben“ zu spüren und Lebensfreude zu erfahren (besonders, wenn ich vielleicht nichts Gutes erwarte). Dafür braucht es meist keine großen Dinge. Es braucht das Gegenwärtig-Sein, das Genießen eines Augenblicks. Und das wiederum lässt sich üben: innehalten, bei einem schönen Musikstück, beim Staunen über eine sich öffnende Blüte, beim Genießen einer Tasse Kaffee oder bei einem Glas Wein, beim Klang eines selbstgesungenen Liedes ... die Liste ließe sich wohl nahezu unendlich verlängern, angesichts der Fülle des Lebens, die Gott uns nicht nur verheißt, sondern in den Gaben seiner Schöpfung auch erfahrbar macht. Jede Erfahrung von Lebendigkeit will uns auf die Spur von Auferstehung bringen und lässt uns ein wenig von der unendlichen Lebenskraft Gottes ahnen, die den Tod besiegt. So „wächst der Dank, dass ich die Sonne hellen Auges sehen kann“ und die österliche Freude wächst mit.
Angela Degenhardt, Gemeindereferentin in Sangerhausen