14.09.2017

Gedenkgottesdienst für Ruth Pfau in Leipzig

Liebe behält das letzte Wort

Jahrzehntelang hat sich die Ärztin und Ordensfrau Ruth Pfau in Pakistan um Leprakranke gekümmert. Vier Wochen nach ihrem Tod fand in ihrer Geburtsstadt Leipzig ein Gedenkgottesdienst statt.


Gedenkgottesdienst für Ruth Pfau in der Leipziger Propsteikirche mit Vertretern der Stadt, der deutschen Leprahilfe und der Ruth-Pfau-Schule | Foto: Dorothee Wanzek


Leipzig wird künftig eine Straße oder einen Platz nach der Pionierin der pakistanischen Lepra-Hilfe benennen. Das kündigte Jugendamtsleiter Nicolas Tsapos als Vertreter der Stadt am 8. September während des Gedenkgottesdienstes für die kürzlich in Pakistan verstorbene Ärztin Ruth Pfau an.
Bereits im Jahr 2010 war das städtische Berufsschulzentrum für Sozialwesen nach der bekannten Ordensfrau benannt worden. Erhebliche Widerstände gab es damals nicht nur, weil es unüblich ist, eine Schule nach einer noch lebenden Person zu benennen, rief Grünen-Stadträtin Gesine Märtens in ihrem „Wort des Gedenkens“ in Erinnerung. Man habe sich schwer getan mit der Ehrung für eine Frau, die „keinen so offensichtlichen Verdienst“ für die eigene Stadt vorweisen konnte. Sie selbst begrüße die Würdigung, machte die Kommunalpolitikern deutlich. Es sei an den Leipzigern, sich von Ruth Pfaus Lebensgeschichte inspirieren zu lassen und die Werte, für die sie mit Leidenschaft in Pakistan gekämpft hätte, in ihrer eigenen Stadt umzusetzen. Als Beispiele nannte sie Lebenschancen für Menschen aller Gesellschaftsschichten oder ein friedliches Miteinander zwischen Anhängern verschiedener Religionen und Weltanschauungen.
Vertreter der Ruth-Pfau-Schule und der Deutschen Lepra- und Tuberkulosenhilfe (DAHW) gestalteten den Gottesdienst mit und brachten dabei zum Ausdruck, worin ihnen Ruth Pfau zum Vorbild geworden ist. DAHW-Mitarbeiterin Renate Reichelt erinnerte an ein markantes Zitat Ruth Pfaus, für das sie mit ihrem Leben gestanden habe: „Das letzte Wort wird Liebe sein.“ Andreas Bidmon, der Leiter der Ruth-Pfau-Schule, erzählte nachhaltig beeindruckt von den persönlichen Begegnungen mit der Namensgeberin, die „ihre“ Schule 2011 besucht hatte: „Wir sehen es als ihr Vermächtnis und ihren Auftrag an uns, etwas für Schwache, Hilfsbedürftige und Ausgegrenzte zu tun.“ Unvergesslich sei ihm auch Ruth Pfaus Antwort auf die  Schülerfrage, woher sie denn bloß die Kraft nehme, trotz mancher Rückschläge immer weiter zu machen: „Zum Durchhalten braucht man Humor.“
Pfarrer Gregor Giele, der den Gottesdienst in der Leipziger Propsteikirche leitete, erinnerte an das „ganz eigene Lächeln“ Ruth Pfaus, „ein Lächeln von hoher Intensität und Stimmigkeit“.Es zeugte von der Freude als Grundmelodie im Leben eines Menschen, der das Richtige lebt und der mit seinem Glauben eine Quelle hat, aus der er Kraft und Gelassenheit schöpfen kann.

Meinung: Das richtige Maß finden
In Zeiten, in denen die Maxime „Unser Land zuerst“ politisch salonfähig wird, ist es wohltuend, wenn eine Stadt wie Leipzig eine Frau würdigt, die ihre Kräfte ganz und gar im weit entfernten Pakistan eingesetzt hat. Es ist gut, dass sich hier gegen manche Widerstände die Erkenntnis durchgesetzt hat: Das Engagement von Ruth Pfau gereicht auch ihrer Heimat zur Ehre. Trotz Globalisierung laufen wir gerade Gefahr, maßlos zu werden in unseren vermeintlichen Bedürfnissen. Auch wenn wir theoretisch Bescheid wissen über die ungerechte Verteilung der Güter und Chancen, das richtige Maß für das, was wir wirklich brauchen, finden wir in der Begegnung mit Menschen wie Ruth Pfau. Eine von uns traute sich mitten in die krasseste Armut hinein und verschenkte dort ihr Leben.

Von Dorothee Wanzek