09.09.2011

Anstoß Nr. 27/2011

Lebenszeichen?!

Wie unterscheidet man, „was lebt“ und was „nicht lebt“ ist?

Im Biologieunterricht wären als Antwort fünf Merkmale des Lebens aufzuzählen: Reizbarkeit – ein Lebewesen nimmt Informationen aus seiner Umgebung auf und reagiert darauf; Bewegung – es kann sich aus eigener Kraft fortbewegen oder in seinem Inneren zeigt sich Bewegung; Wachstum – Lebewesen wachsen und entwickeln sich; sie haben einen Stoffwechsel zum Aufbau und Erhalt ihres Körpers und sind in der Lage, sich fortzupflanzen. Diese Merkmale müssen gleichzeitig vorhanden sein, um von Leben zu sprechen.
Mich faszinieren immer wieder die Parallelen, die sich zum inneren Lebendig-Sein zum Beispiel einer Gemeinde oder eines einzelnen Menschen ziehen lassen.
Ein Mensch steht in der Regel im Austausch mit anderen Menschen. Ebenso pflegt eine lebendige Gemeinde den Austausch mit den Menschen ihres Ortes. Ziehen der Einzelne oder eine Gemeinschaft sich aber zunehmend auf sich selbst zurück, vielleicht wegen einer Depression oder aus Resignation, so verlieren sie einen Teil ihrer Lebendigkeit und Lebensqualität.
Im Gegensatz zum einzelnen Menschen ist eine Gemeinde lokal gebunden. Eine lebendige Gemeinde, die Menschen anzieht, wird sich aber durch ein gutes Maß geistig-geistlicher Beweglichkeit auszeichnen, die es ermöglicht sich auf Veränderungen und Neues einzustellen. Wo hingegen vieles in althergebrachten Bahnen zu erstarren droht, wird wiederum Lebendigkeit schmerzlich vermisst.
In „Hallo Mister Gott, hier spricht Anna“ stellt die kleine Anna fest, dass es neben dem Auswendig-Lernen von Dingen über „Mister Gott“ doch wenigstens ebenso wichtig sei, „inwendig“ von ihm zu lernen. Das heißt, neben dem äußeren, in Zahlen messbaren Wachstum, ist das innere, geistliche Wachsen einer Gemeinde ebenso wichtig. Wachstum ist ein Lebenszeichen: Wenn es aufhört, beginnt etwas zu sterben.
Nah beim Wachsen ist die Fortpflanzung angesiedelt. Das Bild vom Säen ist uns vertraut, wenn es um die Verkündigung des Glaubens geht. Gemeinde lebt von der Weitergabe des Glaubens – an die Kinder ebenso wie an die Menschen in ihrem Umfeld.
Stoffwechsel schließlich dient der Aufnahme und dem Umsatz von Energie, um das Leben in Gang zu halten. Ein reger Austausch über die „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“ und den eigenen Glauben als Quelle neuer Kraft wird eine Gemeinde ungemein beleben.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie in Ihrer Gemeinde und in Ihrem eigenen Leben viele solcher Lebenszeichen entdecken können – und wo Lebendigkeit fehlt, die Hoffnung auf Gottes Geist neu erfahren können. Ein Geist,  der zum Leben erweckt und Erstarrtes in Bewegung bringt.
Angela Degenhardt, Gemeindereferentin in Sangerhausen