02.04.2013

Anstoss 14/2013

Leben funktioniert nur im Wechsel

Am Montag sind die Osterferien vorbei. Für viele Familien endet damit ein Kurzurlaub. Der Alltag beginnt wieder. In vielen Ohren klingt das nicht besonders gut.

Der Alltag hat keinen allzu guten Ruf. Nicht mehr ausschlafen. Früh raus. Wenig Zeit für die Familie. Stress. Und einige weitere, wenig schmeichelhafte Attribute werden dem Alltag zugeschrieben. Dazu kommt die fehlende eine Stunde der Sommerzeitumstellung und das winterliche Wetter der letzten Tage.
Wenn Sie aber eine gute und erfüllte Zeit hatten, werden Sie sich jetzt gerne an die zurückliegenden Tage erinnern. So haben sie eine Bedeutung über ihr Ende hinaus und lässt den kommenden Alltag nicht ganz so grau erscheinen.
Der Wechsel zwischen Urlaub und Arbeit bietet aber auch eine Möglichkeit. Erst der Wechsel macht sie zu einem Pärchen Arbeit-Urlaub. Der Wechsel hat also eine wichtige Funktion für beide Teile. Im klösterlichen Leben der Benediktiner wird dieser Wechsel sogar zum Alltag. Ora et labora, Gebet und Arbeit wechseln sich im Tagesverlauf ab. Dem Arbeiten und dem Beten wird so vom jeweils anderen eine Bedeutung gegeben. Die Arbeit wird vom Gebet nicht nur unterbrochen, sondern auch geheiligt. Und das Gebet wird durch die Arbeit nicht nur unterbrochen, sondern quasi geerdet. Denn Arbeit ist nach christlichem Verständnis Anteil am göttlichen Schöpfertum, das die Erde und alles auf ihr hervorbringt. Die Mönche setzen damit einen spirituellen Leitsatz um: Kontemplation, das Gebet also, und Aktion, die Arbeit, gehören zusammen.
Die Dominikaner haben sich auf diesem Hintergrund ein besonderes Programm gegeben: Contemplari et contemplata aliis tradere, also Kontemplation und das dabei Erfahrene anderen weitergeben, in der Predigt beispielsweise. Für die Dominikaner sind beides, Kontemplation und Aktion, zwei Seiten einer Medaille und nicht zu trennen. Das Leben überhaupt funktioniert nur durch regelmäßige Wechsel. Bleiben sie aus, beginnt Einseitigkeit, Ermüdung und Erschöpfung.
Wechsel ist aber nicht nur reine Abwechslung zur Verminderung von Langeweile. Die Phasen, die sich abwechseln, beeinflussen die jeweils folgende Phase. Dadurch ist Stillstand oder quasi im Kreis gehen nicht möglich. Entwicklung, Reifung oder auch Fortschritt ist ohne Wechsel also nicht denkbar.
Die meisten von Ihnen gehen nach diesem Kurzurlaub so gestärkt wieder ihrer täglichen Arbeit nach und die Schulkinder beginnen erfrischt den Endspurt des Schuljahres.
Pater Ralf Sagner OP, Dominikanerkloster St. Albert in Leipzig