09.01.2014

Anstoß 2/ 2014

Lass dich überraschen

Für dieses Jahr habe ich einen Kalender, der nach Wochen aufgeteilt ist. Er ist nicht sehr groß, passt sogar in meine kleinste Tasche, die in etwa die Größe eines „Gotteslobes“ hat. Aber er hat es in sich. Denn auf jeder Wochenseite gibt es neben einer Zeile, die mit der Frage überschrieben ist: „Was ist dein Ziel diese Woche?“ auch eine Aufgabe.

In der ersten Woche zum Beispiel sollte ich einen Brief an mich selbst schreiben mit all meinen Zielen für das neue Jahr 2014. Diesen Brief soll ich dann in einem Jahr wiederlesen. Es war ja schon interessant, mal an sich selbst zu schreiben. Und ich bin gespannt, wie es sein wird, wenn ich den Brief wieder lese. Ob ich meine Ziele erreicht habe, meine Sehnsüchte und Wünsche sich erfüllt haben. Für die folgenden Wochen wird es also meinem Kalender nach immer eine neue Aufgabe geben. In der gerade vergangenen Woche stand: „Schreibe drei Menschen, die du liebst, eine Karte und verschicke sie mit der Post. Auch wenn sie im gleichen Haus wohnen sollten.“ Also mein Sohn war schon mal völlig aus dem Häuschen, dass er Post bekam. Aber auch die beiden anderen Adressaten haben sich sehr gefreut.

Ich habe aus reiner Neugier natürlich schon mal in den weiteren Wochen und Monaten meines Kalenders geblättert. Manche Aufgaben haben es in sich, manche sind ein bisschen skurril, aber durchaus lösbar (zum Beispiel bei der Stadtverwaltung anzurufen, am besten bei der Beschwerdestelle, um dann ein allgemeines Lob zu erteilen). Ich freue mich darauf, wenn sie dran sind und werde sehen, wie es mir dann damit ergehen wird.

Dieser Kalender bringt mir aber nur dann einen Gewinn, wenn ich mich den einzelnen Aufgaben auch stelle. Kneifen gilt nicht, nur weil mir vielleicht manches nicht passt. Das neue Jahr wird Unbekanntes bringen, Dinge, die ich vorher nicht schon mal nachschlagen kann. Es wird erfahrungsgemäß Situationen geben, mit denen ich nicht rechne, die voller Freude sind, aber auch solche, die ich mir wahrscheinlich nicht wünsche. Ich vertraue darauf, dass alles zu meinem Besten geschieht.  

Um noch einmal auf meinen schönen Kalender zurückzukommen: Natürlich weiß ich, dass es ganz sicher nicht zwingend so einen Kalender braucht, damit das eigene Leben spannend ist. Ich finde ihn halt witzig, aber für mein Leben tagaus tagein wäre er mir bei aller Originalität doch zu wenig.  Ich denke da ans Evangelium. Gott hat uns sein Wort gegeben. Vor kurzem haben wir das erst gefeiert.  Er hat es uns zum Leben und zu leben geschenkt. Überraschungen inbegriffen.
Andrea Wilke, Erfurt